Kultur : Der Bewahrer

Zum Tod des Architekten Alexander von Branca

Ulf Meyer
Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Abwechselnd „altdeutsch-romantisch und krachledern-regionalistisch“ war die Architektur des Münchener Architekten Alexander Freiherr von Branca nach Meinung seiner Kritiker. Er ist nicht nur als Architekt, sondern auch als Denkmalpfleger berühmt geworden. Der 1919 in München Geborene wurde im Zweiten Weltkrieg wegen seiner jüdischen Großeltern, die in Theresienstadt starben, aus der Wehrmacht entlassen. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt und in Zürich machte sich der konservative Katholik 1950 selbstständig und wurde zunächst mit Sakralbauten wie der Herz-Jesu-Kirche in München bekannt. Seine Fähigkeit, kontemplative Orte zu schaffen, zeigen auch seine frühen Entwürfe für Kirchen in Weißenburg und Langwasser. Obwohl kirchliche Bauherren aus Süddeutschland seine wichtigsten Auftraggeber blieben, hat von Branca mit dem Umbau des Münchener Residenztheaters auch weltliche Gebäude von Rang geschaffen.

Schon Ende der sechziger Jahre hatte von Branca den ersten Preis im Wettbewerb für die Neue Pinakothek in München gewonnen. Sie sollte sein Hauptwerk werden, obwohl sie erst 1981 eröffnet wurde. Die Pinakothek wurde zwar für ihre „museumstechnische Perfektion“ gelobt, aber für ihr postmodernes Spiel mit pseudo-historischen Ornamenten auch scharf kritisiert. Kennzeichen des Sandsteingebäudes sind die repräsentative Eingangshalle und die hohen Galerien, die sich wie eine Acht um die beiden Innenhöfe legen.

Während seine späteren Entwürfe, für die Bibliothek der Universität Regensburg etwa, noch vom Einfluss der Steiner’scher Architekturauffassung zeugen, weist die Mensa und Universitätsbibliothek in Würzburg von 1978 Züge des Sichtbetonbrutalismus auf. Im Ausland hat von Branca die deutschen Botschaften in Madrid und Vatikanstadt, eine Kunsthalle in Liechtenstein und einen städtebaulichen Plan für Izmir entworfen.

Als Heimatpfleger von München in den siebziger und achtziger Jahren erwarb er sich den Ruf eines strengen Wahrers der Stadtgestalt und galt als Instanz bei der Verhinderung von Bausünden wie „den kommerzialisierten Kisten“, wie er sie nannte. Sein Grundanliegen war es, „die Substanz des Erbes zu stützen und ins Heute zu interpretieren.“ Er sagte: „Das Wesen der Architektur ist, über das rein Zweckhafte hinaus eine Aussage zu machen, die den Menschen berührt. Was so elitär klingt, ist ein Problem, an dem auch ein schlichtes Architekturbüro in seinem Schaffen nicht vorbeikommt.“ Seit 1983 war er Professor an der Akademie der Künste in Nürnberg. Am Montag ist Alexander von Branca im Alter von 92 Jahren gestorben. Ulf Meyer

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