Kultur : Der Bewahrer

ULF MEYER

Abwechselnd "postmodern, altdeutsch-romantisch und krachledern-regionalistisch" ist seine Architektur nach Meinung von Kritikern.Alexander Freiherr von Branca ist nicht nur als Architekt, sondern auch als Denkmalpfleger hervorgetreten.Heute vor achtzig Jahren wurde er in München geboren.Nach dem Studium in seiner Heimatstadt sowie in Zürich machte er sich 1950 selbständig und wurde mit Kirchenbauten wie der Herz-Jesu-Kirche in München bekannt.Seine Fähigkeit, kontemplative Orte zu schaffen, zeigen auch seine frühen Entwürfe für Kirchen in Weißenburg und Langwasser.

Obwohl kirchliche Bauherren aus Süddeutschland seine wichtigsten Auftraggeber waren, konnte von Branca mit einem Kaufhaus in Würzburg, der Raiffeisenbank in Augsburg und dem Umbau des Münchener Residenztheaters auch profane Gebäude von Rang schaffen.Zu den wichtigten Arbeiten von Brancas gehören ebenso eine Akademie, ein Kurzentrum und Wohnhäuser.An seinen Entwürfen für ein Landschulheim in Neubeuern von 1972 und der Bibliothek der Universität Regensburg zwei Jahre später läßt sich die Entwicklung von Steinerscher Architektur zum Sichtbetonbrutalismus nachvollziehen.Mit der Mensa und Bibliothek in Würzburg konnte von Branca 1978 einer weiteren Universität Gesicht geben.Der Entwurf für eine flächendeckende Bebauung des Weinbergs in Kassel, der 1971 den ersten Plan im Wettbewerb erhalten hatte, wurde hingegen nur in Teilen ausgeführt.

Obwohl von Branca stets den Zeitgeist antizipierte, attestierten ihm Kritiker, daß er "ein empfindsamer Künstler" sei, "dem die theatralischen Balztänze der Postmoderne fremd sind".Von Brancas Vorbild ist der finnische Architekt Eero Saarinen, der verstanden habe, "daß die vielgestaltige Welt in der Architektur ausgedrückt und der irrsinige Schematismus überwunden werden müsse", so von Branca, dessen Entwürfe Tradition als Nährboden und nicht als Klischee nutzen wollen.In Anpassung an die mittelalterliche Architektur entstand 1969 eine Marienkapelle am Schloß Hirschberg nach einem Entwurf von Brancas.Es blieb das einzige Werk, mit dem der Baumeister auf Dauer in wichtigen Führern zur modernen deutschen Architektur vertreten ist.

Schon Ende der sechziger Jahre hatte von Branca den ersten Preis des Wettbewerbs für die Neue Pinakothek in München gewonnen.Sie sollte sein Hauptwerk werden, obwohl sie nach langer Planungs- und Bauzeit erst 1981 eröffnet werden konnte.Die Pinakothek wurde zwar für ihre museumstechnische Perfektion gelobt, aber für ihr postmodernes Spiel mit historisierenden Ornamenten auch scharf kritisiert.Schon das äußere Erscheinungsbild weckt Assoziationen an mittelalterliche Burgen.So wurde denn die Neue Pinakothek mit ihren, teilweise Gebetswinkeln und Kapellen ähnelnden Räumen als gebaute Neoromantik gescholten.Kennzeichen des Sandsteingebäudes sind die repräsentative Eingangshalle und die hohen Galerien, deren Folge sich wie eine Acht um die beiden Innenhöfe legt.Allerdings meinte das Unbehagen, das den Bau traf, wohl eher die glanzvolle Rehabilitation, die der Historienmalerei des 19.Jahrhunderts in der Neuen Pinakothek zuteil wurde - und die beim Publikum spürbare Zustimmung fand.Derzeit entsteht dem Haus gegenüber wegen der ewigen Platznot die "dritte Pinakothek".Deren Entwurf von Stephan Braunfels wird ebenso kritisiert wie seinerzeit derjenige von Brancas.Im Ausland hat von Branca die deutschen Botschaften in Madrid und im Vatikan, eine Kunsthalle in Liechtenstein und einen städtebaulichen Plan für Izmir entworfen.

Als Heimatpfleger von München in den siebziger und achtziger Jahren erwarb er sich einen Ruf als strenger Wahrer der Stadtgestalt und galt als Instanz bei der Verhinderung von Bausünden wie den "kommerzialisierten Kisten", wie er sie selbst nannte.Alexander von Branca hat für sein Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Münchner Architekturpreis und den Kulturpreis Oberbayern.Seit 1983 lehrt er als Professor an der Akademie der Künste in Nürnberg.

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