Kultur : Der Biedermann und sein Pferd

THEATER

Steffen Kraft

Der Kriegsgrund trägt einen Schleier. Als Helena zum ersten Mal die Freilichtbühne in der Kulturbrauerei betritt, verhüllt die Schöne, von Paris nicht ganz unfreiwillig nach Troja entführt, ihren Kopf mit einem Tuch. Die Gründe des blutigen Krieges zwischen Griechen und den Trojanern verbergen sich in der Inszenierung „Troja“ der Gruppe „Theaterschafft“ bis zum Ende, bleiben stets Chimäre. Das ist Programm. Mit Blick auf die politische Gegenwart inszeniert Regisseur Jan Jochymski den Kampf um die sich uneinnehmbar wähnende Stadt als Spiel über die Eigengesetzlichkeit des Krieges. Ebenso schnell wie die Kriegsgegner die Argumente ändern, wechseln die Schauspieler ihre knallbunten Kostüme – und damit die Rollen. So wird der Grieche im Handumdrehen zum Trojaner. Und auf beiden Seiten hat der Einzelne nicht die Macht, die Kämpfe zu stoppen.

Eigentlich will hier niemand diesen Krieg so richtig, vor allem Odysseus nicht, den Tom Mikulla als inspirierend coolen Biedermann darstellt. Ihn zieht’s zurück zu Heim, Frau und Kind. Gerade dieser Wunsch treibt ihn zu seinem finalen Winkelzug: Die Idee des Trojanischen Pferds kommt „dem Listenreichen“ beim Kauf eines Holzpferdes für seinen Sohn. Die Theatermacher haben Homers Vorlage durch Improvisation zu einem Volkstheater-Stück entwickelt. Am interessantesten inszenieren sie dabei die Figur des Odysseus. Die an sich schillerndste Rolle dagegen, die der Kassandra, musste wegen Krankheit kurzfristig umbesetzt werden. Vielleicht deklamiert Kathrin Rogner ihre Unheilsbotschaften deshalb etwas pathetisch. Ab heute soll Janine Kreß die Rolle der Kassandra wieder übernehmen (bis 10. August).

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