Kultur : Der Brüderliche

Lange schon hatte er zurückgezogen in seiner Villa an der ligurischen Küste bei La Spezia gelebt. Nun der italienische Schriftsteller und Filmregisseur Mario Soldati nach einem Bericht des italienischen Fernsehens am Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben. "Seine Beziehung zum Leser ist nicht autoritär, sondern von sanfter Brüderlichkeit", sagte einmal Pier Paolo Pasolini über ihn. 1935 wurde Soldati mit seinem USA-Erinnerungsbuch "America primo amore" einem größeren Publikum bekannt. Er hatte während eines zweijährigen Stipendiums in den USA an der New Yorker Columbia-Universität studiert und fast das ganze Land bereist. In den 40er Jahren veröffentlichte er die Bücher "Die Wahrheit über den Fall Motta", "Der jesuitische Freund" und "Flucht in Italien". Darin beschreibt er seine Flucht vor den Deutschen quer durch sein Vaterland im Jahre 1943. Sein aufwendiges Leben und seine legendäre Garderobe finanzierte Soldati durch die Mitarbeit an mehr als 30 Filmen. So wirkte er als Co-Regisseur an den Monumentalwerken "Ben Hur" und "Krieg und Frieden" mit. Er schrieb Serien für das Fernsehen, war sich auch für Krimis nicht zu schade. Mit Graham Greene verband ihn eine lange Freundschaft. Literarischen Ruhm brachte 1954 der Roman "Briefe aus Capri" (deutsch neu aufgelegt bei Wagenbach), für den er mit dem renommierten Premio Strega, ausgezeichnet wurde. In seinem 1955 erschienenen Buch "Das Bekenntnis" schildert er die innere Krise eines jungen Jesuitenzöglings. Auch Soldati, am 17. November 1906 in Turin geboren, hatte in seiner Heimatstadt eine Jesuitenschule besucht. Später studierte er Philosophie und Kunstgeschichte in Turin und Rom.

Für seinen Tagebuch-Roman "Der geneigte Spiegel" wurde er 1976 im Alter von fast 70 Jahren mit einem für italienische Nachwuchs- Romanciers gedachten Preis ausgezeichnet. Soldatis Buch sei das "geistig jüngste" unter den eingereichten Werken gewesen, hieß es. Sein Stil wird als klar, leicht und leise beschrieben, was sich anhand der beiden Taschenbücher "Der Architekt und die Liebe" (Rowohlt) und "Die amerikanische Braut" überprüfen läßt.

Mit dem Altwerden befaßte sich Soldati in seinem 1972 auf deutsch erschienenen Roman "Der Schauspieler". Darin weint der alternde Mime Melchiorri etwas gockelhaft besseren Zeiten und jungen Mädchen nach. Auch wenn er damit nicht an seine großen Erfolge anknüpfen konnte, wurde das Buch von vielen als bewegend empfunden. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben