Kultur : Der Charmeur

Frankfurt (Oder) zeigt Bilder von Peter Herrmann

Jens Hinrichsen

Sein Großvater war Porzellanmaler. „Der Geruch der Farbe hat mich schon damals betört“, so Peter Herrmann. In der Lausitz geboren, kommt er 1944 nach Dresden, bleibt dort 40 Jahre, bis der sensible, fantasiesprühende Maler die DDR nicht mehr riechen kann. Heute ist Herrmann, der 1986 in Westberlin ankam und hier blieb, als figurativer Maler hoch geschätzt. 1998 hat er den Preis der Villa Romana erhalten, 2001 den Fred-Thieler-Preis. Bilder von ihm befinden sich in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wie in der Berlinischen Galerie.

Gegenwärtig ehrt ihn das Museum Junger Kunst in Frankfurt an der Oder mit einer großen Schau aus Anlass seines 70. Geburtstags. Vor vier Jahren war er im Kölner Museum Ludwig zu sehen. Zu den gezeigten Werken gehörte auch „Die Schaukel“, ein Jahr vor dem Mauerfall gemalt: Eine Artistin schwankt hoch über Berlin, im prekären Gleichgewicht. Im „naiven“ Stil eines Henri Rousseau malt Herrmann bis heute Stimmungen und Wetterlagen, verquickt das Private mit dem Politischen: 1987 lässt er ein „Gesamtdeutsches Gewitter“ auf die geteilte Stadt niederprasseln – inklusive eines schnurrbärtigen Selbst, das sich unbehaglich in die untere Bildecke drückt.

1953 bringt ihn der Dresdner Maler Jürgen Böttcher, genannt Strawalde, zur Kunst – und mit gleichaltrigen Künstlern zusammen, wie Ralf Winkler alias A. R. Penck oder Peter Graf. 1978 hängt das Herrmann-Gemälde „Meine Freunde“ in der Großen Dresdner Kunstausstellung. Auf dem Bild sitzt Strawalde mit seinen Schülern zusammen: betrübte Stimmung, zur Wand gedrehte Bilder, ein nacktes Szenario. Wolf Biermann ist da schon ausgebürgert, 1980 hat dann der Freund A. R. Penck genug von der DDR, 1984 folgt Peter Herrmann ihm in den Westen. Nach einem Hamburg-Intermezzo zeigt ihm die Berliner Galeristenszene lange die kalte Schulter. Ausnahme: die Galerie am Savignyplatz –, während „das Rheinische dem Charme meiner Bilder erliegt“, wie der Künstler erklärt. Auch neuere Gemälde tauchen die kühlen Stadtansichten in das Licht wunderlicher Poesie, etwa eine Straßenflucht zur Siegessäule, durch die eine Loveparade der Elefanten, Giraffen und Flamingos zieht. Jens Hinrichsen

Museum Junge Kunst, Frankfurt (Oder), bis 5. August.

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