Kultur : Der Clown von L.A.

Tanzen gegen Frust: David LaChapelles Debüt „Rize“

Tobias Schwartz

Los Angeles, die frühen Neunziger. South Central brennt, Häuser werden geplündert: Bei den Unruhen kommen Dutzende ums Leben. Die Rapper, die im Ghetto aufgewachsen sind, drücken ihre Wut über soziales Elend, Diskriminierung und Gewalt neu aus. Der Gangsta-Style ist geboren.

Die Rückblende gleich zu Filmbeginn zeigt den Unterschied. 13 Jahre später mag das Paradies immer noch anderswo liegen – aber der Rapper-Clown Tommy bringt die Verhältnisse zumindest zum Tanzen. In seinem mitreißenden Kino-Debüt „Rize“ dokumentiert der Musikvideoregisseur David LaChapelle, wie das von Tommy begründete „Clowning“ die Subkultur von Los Angeles verändert.

„Rize“ – der Slangbegriff für „rise“: die Sehnsucht, aus dem Ghetto rauszukommen – ist ein Bildergewitter, das seine Energie aus der Ästhetik von Werbespots und Musikvideos zieht. David LaChapelle dokumentiert das Selbstverständnis dieser neuen Bewegung, die sich vom Alltag der Gewalt zwischen den „boyz in the hood“ zu befreien versucht. Clown Tommy, eine Vaterfigur der Szene, lehrt den neuen Stil an einer eigenen Schule. Die Schüler tanzen ihren Frust raus, getanzt wird bei Kindergeburtstagen und sogar schon mit Babys.

Das „Clowning“ ist nur der Anfang. Rasend schnell hat sich im Süden von L.A. die härtere Variante „Krumping“ verbreitet – eine Mischung aus traditionellen afrikanischen Tanzelementen und Breakdance. Die Besten messen sich, wie die Rapper, in Freestyle Battles. Dennoch, die Deeskalierung durch den Tanz bleibt wohl eine Illusion. Gewalt sucht sich andere Ventile. „Rize“ verschweigt das nicht, aber formuliert eine Hoffnung. Immerhin.

In Berlin im Cinemaxx Potsdamer Platz, Eiszeit und Hackesche Höfe (alles OmU)

0 Kommentare

Neuester Kommentar