Kultur : Der deutsch-tschechische Autor kommt nicht zur Ruhe

Christian Greßner

Ota Filips Schriftsteller-Leben war lange Jahre von dem Versuch geprägt, der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei zu entkommen. Aber weder durch sein Schreiben, noch durch seine Emigration nach Deutschland gelang es dem Autor, dem repressiven Regime seiner Heimat zu entfliehen. Obwohl er seine Gesellschaftskritik in dschungelhaft verschlungenen Erzählperspektiven zu verstecken suchte, kam ihm die Zensur der kommunistischen Partei immer wieder auf die Spur. Bereits mit 21 Jahren wurde der gelernte Journalist wegen krimineller Vergehen gegen das Staatssystem verhaftet und musste sich nach seiner Freilassung als Hilfsarbeiter verdingen. Lediglich während des "Prager Frühlings" konnte er sich offiziell als Schriftsteller betätigen. Aber schon sein zweiter Roman, "Ein Narr für jede Zeit", wurde in seiner Heimat nicht mehr veröffentlicht; dabei hatte Filip seine systemkritische Haltung hier auf die Metaebene einer Fiktion in der Fiktion verlagert. "Ein Narr für jede Zeit" erschien im Herbst 1969 in Deutschland, wo auch viele andere Werke des im mährischen Ostrau geborenen Autors publiziert wurden. Auch in seinem dritten Roman, "Die Himmelfahrt des Lojzek Lapácek aus Schlesisch Ostrau", kaschiert er seine Meinung durch das Groteske und stellt ihn so in die Tradition der Schelmenromane des spanischen Mittelalters.

Ota Filip, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, lebt seit 1974 in Deutschland. Damals gab der Konditorssohn dem wachsenden politischen Druck nach und emigrierte nach München. Mit "Der Großvater und die Kanone" veröffentlichte er 1981 seinen ersten Roman in deutscher Sprache. 1998 wurden Vorwürfe laut, Filip - für die Deutschen immer ein Held des Prager Frühlings - habe während seiner Militärzeit mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet. Filip hat die Berichte jedoch bestritten: Es habe sich um erzwungene Aussagen gehandelt. Auch nachdem der begeisterte Bergsteiger mit seiner Frau Marie Ledvinova ins bayerische Murnau gezogen ist, darf er die Vergangenheit offenbar nicht ruhen lassen.

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