Der Dirigent Lahav Shani : Nur für Erwachsene

Dirigent Lahav Shani ist ein Durchstarter. Binnen vier Wochen hat er gleich dreimal in Berlin dirigiert, zuletzt das Hanns-Eisler-Hochschulorchester

Lahav Shani.
Lahav Shani.Foto: Marco Borggreve

Dass er jetzt Bartträger ist, passt gut ins Bild: Lahav Shani, vor 28 Jahren in Tel Aviv geboren, hat einen Reifesprung gemacht, ist erwachsener geworden im Stil – und noch besser. Am vergangenen Freitag wurde er bei seinem Auftritt mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester in der Philharmonie gefeiert. Im November hatte der vielversprechende Spross der „Hanns Eisler“-Hochschule, der von Daniel Barenboim gefördert wird, zum wiederholten Mal die Berliner Staatskapelle dirigiert. Im Sommer 2018 wird er dann mit seinem Amtsantritt als Chefdirigent des Rotterdams Philharmonisch Orkest die nächste Karrierestufe erklimmen.

Jetzt also das dritte Berliner Konzert des Israeli innerhalb weniger Wochen. Im Konzerthaus leitet er das Sinfonieorchester seiner ehemaligen Hochschule – und zeigt sich als Gentleman am Pult: Shanis Schlagtechnik ist enorm weich, fließend, elegant, tänzerisch fast. Immer scheint er genau zu wissen, wo er hinwill. Allein, seine Impulse versanden am Dienstag irgendwo auf dem Weg zu den jungen Musikern. Da marschiert, in Prokofjews zweitem Violinkonzert, ein uniformes Kollektiv, ohne recht vom Fleck zu kommen.

Formvollendet, klar und dezidiert ist seine Gestik

Klar, die Intonation sitzt, aber das allein macht noch keine Musik. Die Töne atmen nicht, schwingen nicht, bleiben erdverhaftet. Leider kann es auch Solistin Diana Tishchenko, die mit diesem Auftritt ihr Examen an der „Hanns Eisler“-Hochschule ablegt, nicht rausreißen. Gerade weil Prokofjew hier zu „neuer Einfachheit“ gefunden hat (die von der sowjetischen Propaganda prompt vereinnahmt wurde), sind Glanz und Farbe im Strich gefordert, beides bringt Tishchenko nicht mit. Nur selten, wenn das Tutti mal schweigt, dringt zaghaft die Ahnung nach oben, zu welcher Innigkeit sie in der Lage sein könnte. Meist aber irrlichtert ihr Klang verloren durchs große Ganze.

Es wird nicht besser, auch nicht in Strawinskys „Sacre du Printemps“. Stumpfe Liegetöne, dafür – wie zur Kompensation – knallige Fortissimi, die regelmäßig die Oberkante der Dynamik zerschmettern. Allerdings auch immer kurze Leuchtstreifen beseelter Soli. Insgesamt ein Abend, dem man den Ehrgeiz zu sehr anmerkt. Auf welchem Niveau Hochschulorchester spielen können, zeigt jährlich das Festival Young Euro Classic am gleichen Ort. Bedauerlich, dass ausgerechnet die um die Ecke beheimatete Hochschule an diesem Abend enttäuscht. Und Shani? Der kann noch so formvollendet, klar und dezidiert dirigieren: Das Feuer nicht nur bei Spitzenmusikern, sondern auch beim Profinachwuchs zu entfachen, muss er noch lernen. Udo Badelt

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