Kultur : Der Dogma-Fluch

Regisseur Anders Thomas Jensen über das dänische Kino und seine Chancen

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Sie haben Drehbücher für Dogma-Filme wie „Mifune“ oder „Open Hearts“ geschrieben. Wie unterscheiden sich diese von Ihren eigenen Filmen, die mit Dogma nichts zu tun haben?

Einiges darf man für Dogma-Filme natürlich nicht schreiben. Zum Beispiel dürfen keine Waffen vorkommen. Beim Schreiben denke ich aber nicht an Dogma, sondern an eine Geschichte, in der keine Waffen vorkommen. Der Unterschied ist eher ökonomisch. Dogma-Filme sind billig. Und: Bei Dogma machen nur der Drehbuchautor und der Regisseur den Film. Je größer das Budget wird, je mehr TV-Sender und Produzenten mitmischen, desto mehr Demokratie kommt hinzu. Das mögen wir nicht so gerne.

Warum hat Dogma nur bei dänischen Filmen funktioniert? Dogma-Filme aus anderen Ländern wurden wenig beachtet.

Unsere erfolgreichsten Dogma-Filme, „Italienisch für Anfänger“ zum Beispiel, sind fast Slapstick-Komödien. Dänische Regisseure setzten auf große Gefühle und zugleich auf bodenständigen Humor. Dänische Dogma-Filme ähneln am ehesten amerikanischen Komödien.

Ist Dogma in Dänemark noch relevant?

Eigentlich nicht mehr. Es wurde zwischenzeitlich sogar zum Fluch. Sogar Filme, die keine Dogma-Filme waren, sahen so aus. Und dann erzählten alle davon, dass der Vater die eigenen Kinder vergewaltigt hat. Es war so langweilig. Außerdem ließen sich Produzenten immer schwerer davon überzeugen, dass man drei Millionen Euro für einen Film braucht. Dabei kann doch Kino so viel mehr: Musik, Cinemascope. In gewisser Weise hat Dogma das Kino degradiert.

Das Gespräch führte Karl Hafner.

ANDERS

THOMAS JENSEN ,

geboren 1972, ist

Regisseur („Blinkende Lichter“) und Drehbuchautor („Mifune“, „Open Hearts“, „Brothers“, „Stealing Rembrandt“).

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