Kultur : Der Eissturm

Hollywood: immer mehr Kriegsgegner auf schwarzen Listen

Matthias B. Krause

Zuerst waren die Universitätsprofessoren dran. Danach kamen die Lehrer. Mittlerweile finden sich auch Hollywood-Stars wegen ihrer Kritik an Präsident Bush und dem IrakKrieg auf Schwarzen Listen wieder. Im Internet machen zahlreiche Initiativen ihrem Unmut über die angeblich „unpatriotischen“ oder „unamerikanischen“ Stellungnahmen der Schauspieler und Regisseure Luft. Rupert Murdochs Boulevard-Blatt „New York Post“ brachte sie sogar als „Saddam-Liebhaber“ auf die Titelseite. Einer der dort Aufgeführten, der Schauspieler und Regisseur Tim Robbins, sagt: „Ein eisiger Wind weht in diesem Land.“ Dass er dies nicht klandestin, sondern in vor dem Nationalen Presseclub in Washington sagte und seine Diagnose mit erschütternden Beispielen von Drohungen und Repressalien gegen amerikanische Friedensaktivisten belegte, spielt bei den Internet-Kampagnen gegen Liberale keine Rolle.

Man fühlt sich an eine dunkle Ära in der amerikanischen Geschichte erinnert. In den 50er Jahren untersuchte der nach Senator Joseph McCarthy benannte Ausschuss „unamerikanische Aktivitäten“. Mehr als 320 Namen landeten auf einer schwarzen Liste; Schriftsteller und Schauspieler wie Arthur Miller, Orson Welles, Dashiell Hammett, Paul Robeson und Charlie Chaplin verloren ihre Arbeit. Angesichts der jetzigen Boykott-Aufrufe gegen prominente Bush-Gegner befürchtet die Screen Actors Guild (SAG), die größte Schauspieler-Gewerkschaft des Landes eine ähnlich gefährliche Stimmungsmache. Schwarze Listen dürften nicht wieder toleriert werden, fordert die SAG.

Dabei ist es längst zu spät. Initiativen wie „Celebrity Liberal Blacklist“ ( www.celiberal.com ), „Stop Hollywood“ (www.stophollywood), „Boycott Hollywood“ ( www.boycott-hollywood.us ) oder „Citizens Against Celebrity Pundits“ ( www.ipetitions.com/campaigns/hollywoodceleb ) treiben längst ihr Unwesen im Netz. Bislang eher zurückhaltende Stars wie Robert Altman, George Clooney, Madonna und Julia Roberts zählen sie ebenso zu ihren Gegnern wie die in den Medien als Kriegsgegner präsenten Schauspieler Susan Sarandon, Sheryl Crow, Sean Penn oder Martin Sheen. „Citizens Against Celebrity Pundits“ („Bürger gegen Promi-Experten“) führt neben fast 100 Namen auch eine Positiv-Liste jener Personen, die man weiterhin getrost durch einen Ticketkauf an der Kinokasse unterstützen dürfe.

Die Folgen für die Betroffenen beschränken sich nicht auf Hassmails oder herabwürdigende Kommentare. Das Ehepaar Sarandon und Robbins wurden als Moderatoren für eine Feier der Baseball Hall of Fame wieder ausgeladen, auch ein Auftritt Sarandons bei einer Konferenz über Frauen in Führungspositionen wurde abgesagt. Die Verkaufszahlen der Country-Band Dixie Chicks gingen um 40 Prozent zurück – bis sie sich für ihre Bush-Kritik entschuldigten. (Tsp. vom 28.4.)

Andere entschuldigen sich nicht. Martin Sheen spielt gerade wieder den US-Präsidenten in der TV-Serie „The West Wing“. Die NBC-Bosse ließen ihn wissen, dass sie sich „sehr unwohl“ wegen seiner Haltung fühlten, sagt Sheen. Während NBC dies offiziell bestreitet, meint der Betroffene: „Das Recht auf Redefreiheit kostet eben etwas, sonst müsste man sich fragen, was sie wert ist.“

Sean Penn wiederum verklagte den Produzenten Steve Bing, weil der angeblich ein Zehn-Millionen-Dollar-Engagement wegen Penns kriegskritischer Äußerungen platzen ließ. Bing beantwortete die Klage mit einer Gegenklage, der Star habe sich aus freien Stücken zurückgezogen. Branchenkenner sind überzeugt, dass die Stimmungsmache Karrieren in Hollywood gefährden kann. Steven Ross, Geschichtsprofessor der University of Southern California, sagt: „Filmstars, die eine schlechte Publicity bekommen und als unpatriotisch betrachtet werden, gelten schnell als Kassengift.“

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