Kultur : "Der Fall Mona": Platz da! Jetzt komm ich!

Veronika Rall

Rücksichtslose Frauen, die sich durchbeißen, hat Bette Midler immer hervorragend gespielt, nicht zufällig heißt ihr bester Film im Original "Reckless People" ("Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone"). Hier tritt sie als zähneknirschende Gattin auf, die sich, just entführt, damit abfinden muss, dass ihr Ehemann keinen müden Dollar locker machen will - trug er sich doch selbst mit dem Gedanken, sie um die Ecke zu bringen. Anstatt zu resignieren, turnt Midler nun vor dem Fernseher im Kellergeschoss, gibt ihrem ratlosen Entführer die besten Tipps und behält bis zum Happy End die Oberhand.

"Der Fall Mona" liest sich wie eine etwas schlappe Fortsetzung dieser grandiosen Komödie, denn Midler fliegt außerordentlich schnell aus dem Drehbuch: Ihre Mona Dearly fährt ihren Yugo bereits nach 20 Minuten ins Wasser, und der Polizeichef von Verplanck, Wyatt Rash, erkennt zu seinem Leidwesen, dass es sich keinesfalls um einen Unfall gehandelt hat.

Im Unterschied zu "Reckless People", der ein sittsames Dreieck zwischen Entführer, Entführten und Ehemann spann, nimmt es "Der Fall Mona" allerdings mit einer ganzen Kleinstadt auf. Alle, so stellen spätestens die filmischen Rückblenden klar, hatten mehr als einen Grund, Mona vom Erdboden zu wünschen. Da ist ihr Gatte Phil, der immer wieder schmerzhaft eine engere Bekanntschaft mit einer Bratpfanne geschlossen hat, als ihm lieb ist. Da ist ihr Sohn Jeff, der einmal einen Finger verloren hat, keiner außer seiner Mutter weiß wie. Da ist die Serviererin Rona, die ein intimes Verhältnis zum Gatten unterhält und hofft, die zahlreichen Zigaretten, die sie qualmt, möchten allen die Sinne vernebeln. Zuletzt scheint auch Jeffs Geschäftspartner Bobby die Finger mit im Spiel zu haben, obwohl er gerne der Schwiegersohn des Polizeichefs würde.

Das sind nicht nur die Ingredienzen für eine nette schwarze Komödie, Regisseur Nick Gomez und sein Drehbuchautor Peter Steinfeld haben sich um das Kleinstadtmotiv herum noch einiges einfallen lassen. Da fährt etwa jedermann und jede Frau einen Yugo, weil der Autohersteller just hier einen Marketingtest anstrengte und die Schüsseln quasi verschenkte. Damit sie überhaupt zu unterscheiden sind, hat jedes der Fahrzeuge eine "vanity plate", ein eitles Namensschild zum Kennzeichen. Mona etwa fuhr "UGO MONA", ihr Gatte den "PHIL 123", der Polizeichef die "POLICE 1", die Kassiererin hingegen den "OH RONE". Man ahnt es, "Der Fall Mona" ist ein rechtes Klischee, in die erzählerischen Lücken gießt das Drehbuch mindestens so viel Versöhnung wie Streit, denn Mona kann ihren Unfrieden nur noch aus dem Grab, in Rückblenden säen.

Das Beste am "Fall Mona" ist deshalb seine Besetzung, wir lieben es, Midler zu hassen. Sie brüllt, sie kreischt, sie zwingt jeden Mann und jede Frau mit einem bösen Nebensatz in die Knie, wo verbale Invektiven nicht reichen, da greift sie kurzerhand zum Messer und hackt auch dem Sohnemann die Hand ab. Irgendwie muss der Bengel schließlich lernen, die Finger vom Bier anderer Leute zu lassen. Ihr Gegenüber gibt (wie schon in "Reckless People") Danny de Vito ab, nur dass er diesmal allzu naiv und gutmenschig auftritt und ermittelt. Nur: Wer Mona umgebracht hat, das ist uns egal. Kann der Einwohner von Verplanck den Mord als generöse Tat verbuchen, fürs Kino hat sie nichts gebracht: Zwingt sie uns doch, Mona unsere Liebe und unseren Hass ins Grab hinterherzuwerfen.

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