Kultur : Der Fall Schmökel: Erinnerung an Zurwehme

Die Fahndung nach Frank Schmökel weckt Erinnerungen an den Fall Dieter Zurwehme. Dessen spektakuläre Flucht dauerte neun Monate. Dem seit 1974 einsitzenden Mörder gelang im Dezember 1998 nach einem Freigang die Flucht aus dem Offenen Vollzug der Haftanstalt Bielefeld-Sennestadt. Die angeblich zu milde Justiz erregte damals die Öffentlichkeit. Ähnlich groß ist jetzt die Wut, weil Schmökel nach einer Überwachungspanne aus dem Maßregelvollzug der Nervenklinik Neuruppin entkommen konnte.

Zurwehme beging im März 1999 unter Fahndungsdruck einen vierfachen Mord an zwei Ehepaaren in Remagen. Die Fahndung nach Zurwehme spitzte sich im Sommer 1999 dramatisch zu. Nach Zeugenhinweisen wurde der 57-Jährige in Heldrungen/Thüringen vermutet. Dort hielten Polizeibeamte einen 62-Jährigen aus Köln für den Flüchtigen - und erschossen versehentlich den harmlosen Urlauber. Bei Stadthagen in Niedersachsen versuchte Zurwehme ein Mädchen zu vergewaltigen. Die Suche schlug bald darauf in Hysterie um. In den Wochen danach wollten Zeugen ihn unter anderem in Berlin, Bochum, Hannover, Köln und sogar auf Mallorca gesehen haben. Die Fahndung wurde auf zahlreiche Bundesländer ausgedehnt, ehe sich Zurwehme am 19. August 1999 in Greifswald ergab. Nach Ansicht des Psychologen Adolf Gallwitz gelten die Parallelen aber nur bedingt: Der vermindert schuldfähige Triebtäter Schmökel habe eine ganz andere Persönlichkeitsstruktur als der kaltblütige Mörder Zurwehme.

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