Kultur : Der Festspieler

Peter Böhme hört auf / Von Adrienne Goehler

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Die graue Eminenz, der Wirkmächtige im Hintergrund, der selbst den Stars von gestern und vorgestern und anderen wichtigen Personen aus Filmgeschäft und Politik, deren Glanz und oder Marktwert verblichen ist, immer noch das Gefühl von Wichtigkeit im Heute verleiht: Peter Böhme verlässt nach mehr als dreißig Jahren Dienstzeit seinen Platz im logistischen Hirn der Berliner Festspiele.

Man darf ihn wohl einen geräuschlosen Zeremonienmeister nennen, einen Sitz- und Bedeutungsarrangeur, der sowohl im Blick hat, wer wen nicht leiden kann, als auch, wer wen kennen lernen sollte. Peter Böhme sei „irgendwie aus der Zeit der Gleichgültigkeit herausgefallen“ beschreibt ihn Theaterchefin Amelie Deuflhard.

Seine großen Momente hatte er, wenn alle um ihn herum durchdrehten, weil zum Beispiel die Volksbühne vergessen hatte anzugeben, dass die ersten vier Reihen aus der Bestuhlung herausgenommen wurden, oder wenn Daniel Barenboim am Konzertabend einfiel, dass er doch lieber auf der Orchesterwanne spielen wollte, dann blühte er auf und zauberte Plätze. „Der Malakhov des Protokolls, immer so unangestrengt“, charakterisierte ihn Berlinale-Chef Dieter Kosslick – und beschrieb seinen umfassenden Arbeitsbereich einmal als „Böhmesche Dörfer“.

Ein leiser Mann, ein umsichtiger und entschiedener, einer, der sich beharrlich dem allgemeinen Trend zum Outsourcing widersetzt hat und alternative Strukturen aufbaute, um auf immer neue Veränderungen vorbereitet zu sein, stets an Größe und Würde anknüpfend.

Die Besucher der Berliner Festspiele müssen nicht wirklich ein leises Servus zum Abschied anstimmen, denn er hat eine lebenslängliche Dauerkarte für alle Veranstaltungen. Einen kleinen Bären für sein Lebenswerk hat er schon am Ende der diesjährigen Bärenverleihung der Berlinale erhalten. Also bis Herbst dann, Peter Böhme, und vielleicht sollten wir Sie bei „Wetten, dass..?“ anmelden, damit Sie dort die Besetzung der sechs wichtigsten Stuhlreihen für den Eröffnungsfilm aus dem Jahre 19?? erinnern ...

Adrienne Goehler war bis April 2006 Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds.

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