DER FILM Tipp… : …von Christiane Peitz

Manchmal hat Kino etwas mit Hingabe zu tun. „Film Socialisme“ heißt das im Mai in Cannes uraufgeführte Kinobilderrätsel des 80-jährigen Jean-Luc Godard. Eine Kammersymphonie, ein polyglottes Stimmengewirr, ein Bewusstseinsstrom, der seltsames Strandgut ins Blickfeld spült: Momente der Schönheit, Dialogfetzen, Filmzitate, Musik, Mythen, Müll. Ein Kreuzfahrtschiff bereist das Mittelmeer, Ägypten, Haifa, Griechenland, Neapel Das Boot, die Titanic, ist voll: Zu den Passagieren zählen ein Kriegsverbrecher, ein Philosoph, eine Polizistin, Patti Smith schultert die Gitarre, und das Meer ist von erhabener Schönheit. Der Film hat zwei weitere Teile, aber dieser erste, die Odyssee zu den Gestaden des Mare Nostrum, ist aktueller denn je: In der arabischen Welt herrscht Frühling, und Europa, die Wiege der Demokratie ist Bruchstückwerk geworden. Eine große Bildstörung, vom letzten lebenden Filmgott der alten Welt in Szene gesetzt.

– noch im Acud und Lichtblick (OmU)

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