Kultur : Der Flächenrembrandt

Der Markt feiert den holländischen Meister – von Berlin bis Maastricht

Claudia Herstatt

Der 400. Geburtstag von Rembrandt steht erst im Juli an, aber schon jetzt sind die Festivitäten im vollen Gange. In Amsterdam feiert seine Malerei gemeinsam mit den Werken Caravaggios ein Gipfeltreffen im Van-Gogh-Museum. Bereits 2005 schwelgten Boston und Chicago, Basel und Sankt Gallen in Präsentationen des niederländischen Barockmalers. In Washington wird derzeit eine Rembrandt-Schau vorbereitet, die alles bisherige in den Schatten stellen soll.

Und natürlich hat Rembrandts Jubeljahr auch den Markt längst erreicht. Schon lange war das Angebot vor allem in der Grafik nicht so groß. Helmuth Rumbler, Kunsthändler in Frankfurt und seit 35 Jahren Rembrandt-Experte, ist überzeugt: „Eine ganze Anzahl von Sammlern ist in diesem Jahr aufgewacht – solche, die kaufen, und solche, die verkaufen wollen.“ Für die international führende Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht (10. bis 19. März) hat er vorgesorgt und kann zum Preis von 15 000 bis 500 000 Euro rund 30 marktfrische Blätter anbieten, von denen die im Katalog abgebildete „Heilige Familie“ bereits verkauft ist.

Neben Rumbler werden auch Gebr. Douwes Fine Art (Amsterdam) und David Tunick (New York) Druckgrafik des Niederländers mit nach Maastricht bringen. Zum Blickfang der Tefaf dürften allerdings die drei Rembrandt-Gemälde werden – von Bodyguards streng bewacht. Salander-O’Reilly Galleries (New York) bieten das „Portrait des Apostels Jakobus des Älteren“ aus dem Jahr 1661 für rund 45 Millionen Dollar an. Bei Noortmann (Maastricht) ist das „Portrait eines bärtigen Mannes mit rotem Wams“ von 1663 für 27 Millionen Euro zu haben. Unverkäuflich, aber wissenschaftlich interessant ist das „Portrait der Anna Six-Wymer“, nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Werk von Rembrandt und seinen Schülern.

Wer in Maastricht nicht fündig wird, dem bietet sich ein paar Wochen später in London eine weitere Gelegenheit: Christie’s ist am 29. März mit einer kleinen Spezialauktion von 55 Rembrandt-Radierungen auf der Höhe der Zeit. Sie stammen aus der Sammlung des 2005 verstorbenen niederländischen Unternehmers G. A. H. Buisman und werden am Donnerstag und Freitag in der Repräsentanz des Auktionshauses in Berlin gezeigt.

„Alle Blätter sind während der Lebenszeit Rembrandts gedruckt worden,“ preist der Christie’s-Experte Tim Schmelcher die gut erhaltenen Werke an. Die Schätzpreise sind moderat, liegen teilweise sogar unter dem Ankaufspreis von vor zehn Jahren. Eine Ansicht von Amsterdam von Nordwesten um 1640 ist auf 12 000 bis 18 000 Euro geschätzt. Ein solches Blatt bringt bis zu 120 000 Euro, wenn es sich um eine prägnantere, frühere Druckqualität handelt.

Das große Preisgefälle von ein paar tausend Euro bis zu einer halben Million für Rembrandts Druckgrafik erklärt sich aus dem Umstand, dass manche Platten noch Jahre nach seinem Tod in Umlauf waren. Während von einigen Druckplatten nur vier oder fünf Abzüge existieren, sind andere hundertfach bis ins 20. Jahrhundert nachgedruckt worden.

Dem Meister der theatralischen in Licht und Schatten getauchten Porträts, Landschaften und Szenen zollt auch die London Original Print Fair (22. bis 26. März) in der Royal Academy ihren Tribut. CG Boerner (Düsseldorf) reist mit einer Auswahl von Rembrandt-Grafiken an, darunter eine um 1652 entstandene Darstellung von Faust in seiner Klause (62 000 Euro). Ein aus der gleichen Zeit stammender „Predigender Christus“, 1979 zuletzt bei Sotheby’s versteigert, soll nun 90 000 Dollar kosten. Die rare Kohlezeichnung „The Hurdy-Gurdy Player at the Door“ beziffert Paul McCarron (New York) auf 420 000 Euro.

Ob in London, Maastricht oder bei dem Salon du Dessin in Paris(21. bis 27. März), die starke Präsenz Rembrandts in Ausstellungen und auf dem Kunstmarkt erlaubt es wie kaum zuvor, sein Werk neu zu entdecken sowie Preis- und Qualitätsvergleiche anzustellen – abgesehen von dem überwältigenden Kunstgenuss.

Christie’s Berlin, Giesebrechtstraße 10, 9. / 10. März, 10–18 / 17 Uhr.

Weitere Informationen unter www.rembrandt400.com.

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