Der Fotograf Ulrich Wüst beim Monat der Fotografie : Vom Wandel der Städte

Ulrich Wüsts Stadtansichten erzählen Geschichte - aus Magdeburg, Köln und Berlin. Das Berlin Mitte, das Wüst in den Neunziger Jahren fotografierte, gibt es nicht mehr.

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Magdeburg: Marlboro-Man meets Industrieschlot
Magdeburg: Marlboro-Man meets IndustrieschlotFoto: Ulrich Wüst

Ulrich Wüst gehört zu den wichtigsten Vertretern der ostdeutschen Fotografie, vor allem aber ist er ein Spezialist für urbane Räume. Ende der 1960er Jahre wird er an der Hochschule in Weimar zum Stadtplaner ausgebildet und ist in der DDR auch eine Weile als solcher tätig. In den 1980er Jahren schwenkt er um auf Fotografie. Die Fotografie wird zu der Zeit in der DDR als künstlerisches Medium entdeckt, mit der Kamera scheinen noch Kommentare zum Land möglich, wo sonst schon alles gesagt ist. Nach der Wende bleibt Wüst seinem Interesse für die deutsche Nachkriegsarchitektur treu. Drei Werkgruppen – aus Berlin, Magdeburg und Köln – sind derzeit in der Galerie Loock zu sehen.

1995 beauftragt der Kurator Kaspar König im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Projekts eine Fotoserie über Berlin-Mitte. Kurz bevor die massiven Umgestaltungspläne für das Zentrum Berlins in die Tat umgesetzt werden, geht Wüst noch einmal durch Mitte, hält sich dabei exakt an die Bezirksgrenzen, und bringt die „Nachkriegssituation“ ins Bild. Er fotografiert Brachen und Leerstellen, bröckelnde Fassaden, Häuser, die seit dem Krieg nicht repariert wurden. Mitte sieht in diesen diskreten, grandios komponierten Bildern immer noch aus, wie ein Trümmerfeld, wenn auch eines, in dem schon jemand aufgeräumt hat. In Magdeburg, Wüsts Geburtsstadt, interessiert er sich vor allem für die alte Industriearchitektur, die Backsteinfabriken und Schlote, die in absurdem Kontrast stehen zu den Werbetafeln, die dort nach dem Mauerfall Einzug gehalten haben. In Köln schiebt sich die Architektur in Wüsts Bilder, im Gegensatz zu Ostdeutschland, ist dort alles eng bebaut, sind die Kriegslücken gefüllt. Birgit Rieger

Loock Galerie, bis Di 20.12., Di-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei

Mehr zum Monat der Fotografie finden Sie hier.

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