Kultur : Der Frieden

Matinee für Benno Besson am Deutschen Theater

Christoph Funke

Wegschließen ins Fach Theatergeschichte? Unmöglich. Benno Besson, der fast drei Jahrzehnte lang, von 1949 bis 1977 und dann noch einmal zu Beginn der Neunziger an Berliner Bühnen arbeitete, hat Aufführungen geschaffen, die so im Gedächtnis geblieben sind, als hätte man sie gestern gesehen. Die Sonntags-Matinee im Deutschen Theater Berlin war eine hinreißende Huldigung an den am 23. Februar im Alter von 83 Jahren gestorbenen Regisseur.

Die ganze große Besson-Familie, viele, sehr viele, die mit ihm hatten arbeiten und leben dürfen – am Berliner Ensemble, am Deutschen Theater, an der Volksbühne, an vielen anderen Theatern Europas – waren gekommen, um ihrem Meister und Vorbild zu danken. Wie sich Besson aus Dogmen löste, das rote Blut des Theaters zauberisch einsetzte, um subversiv und heiter, unerschrocken und gelassen sein Modell einer menschengemäßen Gesellschaft zu entwerfen, klang aus allen Berichten, Erinnerungen, Briefen, Dokumenten heraus. Auch wenn diese Erinnerungen vor Widersprüchen nicht Halt machten und den Weg des Regisseurs durch die verstörenden Zeiten des Kalten Krieges, seinen Widerstand gegen die zerstörerischen Anmaßungen der offiziellen DDR-Kulturpolitik unterschiedlich bewerteten.

Bessons Tochter Katharina Thalbach, Eberhard Esche, Jürgen Holtz, Carmen-Maja Antoni, Hildegard Alex, Manfred Karge, Ursula Karusseit wirkten daran mit, Schicht um Schicht in das Wesen des Regisseurs einzudringen. Die Intendanten Bernd Wilms, Claus Peymann und Frank Castorf – wohl erstmals gemeinsam auf einer Bühne, das schafft nur Besson! – knüpften Verbindungen zu einem Kollegen, dessen Theaterarbeit sie sich verpflichtet fühlen.

Christoph Hein berichtete von seinem gerade in der Dreistigkeit erfolgreichen Versuch, als Assistent von Besson zu arbeiten, die Söhne Pierre und Philippe steuerten persönliche Erinnerungen bei. Einer fasste diese Vielfalt bündig zusammen – Fred Düren. Als der weißhaarige, seit Jahren in Israel lebende, nicht mehr in seinem Beruf arbeitende Schauspieler aus dem Hintergrund der Bühne nach vorn kam, ans kleine Lesepult, erhoben sich die Theaterleute auf der Bühne. Düren sang die Schlussstrophe des Friedensliedes aus der Bearbeitung der Aristophanes-Komödie „Der Frieden“ von Peter Hacks. Begleitet von den „Jazzoptimisten“, wie zur Premiere im Oktober 1962. Düren spielte damals unter Bessons Regie den Trygaios – und mehr als vierzig Jahre Geschichte schienen in diesem Augenblick ihr schweres Gewicht verloren zu haben. „Der Krieg ist vorbei“: Mit einem Hauch Trauer und doch unzerstörbarer Zuversicht sang Düren diesen Satz ins Rund des ausverkauften Theaters. Der Atem stockte.

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