Kultur : Der funkige Flinkfinger

Jazzer George Benson im Admiralspalast.

Volker Lüke

George Benson ist schuld, dass wir weichgespülte Schmusemusik hören. Auch nach zehn Grammys scheiden sich die Geister an dem Mann mit dem perfekt getrimmten Moustache-Bärtchen, der in jungen Jahren mit Jazzgrößen wie Jack McDuff gespielt und seinem Instrument in der Nachfolge von Charlie Christian und Wes Montgomery neue Dimensionen erschlossen hat. Während einige ihn als Verräter sehen, der die Kunst dem Kommerz auslieferte, ist er für andere genialer Grenzgänger, der sich bei aller Glattheit des Materials eine hitzig-jazzige Musikalität bewahrt hat.

Im Berliner Admiralspalast präsentiert sich der 70-Jährige als gut gelaunter Entertainer und zeigt einmal mehr, dass er nicht nur ein brillanter Flinkfinger ist, der mit rasanten Läufen beeindruckt, sondern auch als Sänger einen herrlich runden Balladenton entwickelt hat – den seine exzellente Begleitband mit einem federnden Rhythmus unterlegt. Benson singt ein paar Songs von seinem neuen Album mit Titeln seines frühen Idols Nat King Cole, der einen ähnlichen Weg vom reinen Jazzer zum Popstar durchgemacht hat, bevor er mit „Turn Your Love Around“ endgültig den schmusigen Womanizer herauskehrt und das Publikum bei „Give Me The Night“ förmlich zum Ausrasten bringt. Einige Stücke dudeln munter ins wohlgefällige Nichts, ein bisschen alterswerkmäßig den Spätabendgefühlen verpflichtet, die alternde Soulstimmen zwangsläufig erwecken. Aber genau dann, wenn man kurz davor ist, diese schmierige Süße und poppige Penetranz zu verfluchen, packt er einfach ein oberflottes Funk-Instrumental dazwischen, das wie ein Güterzug durch Mark und Bein rauscht.

Die welke Ruhe eines George Benson ist von Adel, anders als die Lebhaftigkeits-Persiflagen vieler anderer, die sich als Greise der Jugend aufbürden und sich dabei einen Bruch heben. Verschließt man noch die Augen vor Bensons hässlicher Satin-Schlabberhose, fühlt man sich einfach nur wohlig umhüllt von so viel Wärme und musikalischem Reichtum, der puren Sauerstoff in eine Welt mit verschmutzter Luft bläst. Volker Lüke

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