Kultur : Der Futurist

Dem ICC-Architekten Ralf Schüler zum 80.

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Er bleibt im Gespräch. Während die Kollegen aus der West-Berliner Gründerzeit längst den verdienten Ruhestand genießen, findet sich der Architekt Ralf Schüler, der immer in einem Atemzug mit seiner Büro- und Lebenspartnerin Ursulina Schüler-Witte genannt wird, bis heute in den Schlagzeilen. Zuletzt ging es um die künstlerische Umgestaltung des „Bierpinsels“, gegen die sich die beiden zu wehren versuchten. Das Steglitzer Turmrestaurant ist Teil des 1974 fertiggestellten Verkehrsbauwerks mit Hochstraße, Läden und U-Bahnhof, durch seine zeichenhafte Architektur sollte es fünf Verkehrsebenen mit der Stadt verbinden. Das Fahrzeugdesign und die rote Signalfarbe gefielen nicht jedem. Als Merk- und Wahrzeichen funktioniert der Turm jedoch bis heute.

Ähnliches kann man von Schülers Hauptwerk sagen, dem ICC. 1965 gewann das Paar den Wettbewerb für das Kongresszentrum im Westend. 14 Jahre später konnte der zum Milliardenobjekt angewachsene Bau eingeweiht werden, als Hypertrophie angefeindet auch er, als erfolgreichstes Konferenzzentrum Europas inzwischen vielfach ausgezeichnet. Dennoch hat Ralf Schüler Anlass zu kämpfen gegen die Vernachlässigung und Verunstaltung des Bauwerks, das mittlerweile zum weltbekannten Wahrzeichen Berlins wurde – und gegen das Abrissbegehren des Wirtschaftssenators.

Das Design des ICC, eines Hauptwerks der Architekturrichtung des Technizismus, verrät Schülers Begeisterung für die Gestaltung technischer Gerätschaften und Anlagen, die ihn auch zum Sammler werden ließ. Längst ist seine umfängliche Sammlung etwa von Lokomotiven und Maschinen in die Bestände des Technikmuseums übernommen worden. Hier Futurist, dort Traditionalist, hat sich Ralf Schüler auch vielfach mit dem architektonischen Erbe auseinandergesetzt. Der Umbau der Antikensammlung im westlichen Stülerbau an der Schlossstraße trägt seine Handschrift, auch die 1999 errichtete Rekonstruktion der Kuppel auf dem U-Bahnhof Nollendorfplatz.

Ein florierendes Großbüro haben die Schülers nicht aufgebaut, sondern sich auf beratende Tätigkeit etwa bei Verkehrsbauten konzentriert.1996 traten sie nochmals an die Öffentlichkeit und engagierten sich intensiv für das Berliner Schloss. In Arbeitsgemeinschaft mit Hans-Joachim Arndt und dem Investor Hanseatica legten sie ein dreibändiges Gutachten vor, in dem ein umfassendes Konzept zum Wiederaufbau der Hohenzollernresidenz als Kultur- und Kongresszentrum mit Büro- und Hotelnutzung „ohne Einsatz öffentlicher Mittel“ vom Entwurf bis zur Finanzierung vorgelegt wurde. Auf Gehör stießen sie mit ihrem Investitionsmodell nicht. Ralf Schüler, der sich als Architekt wie als Ideen- und Ratgeber um Berlin verdient gemacht hat, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Falk Jaeger

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