Kultur : Der Gagaholic von San Fernando

Ein Komiker auf der Bühne und im Film, der seinen Preis kennt und nennt: Bob Hope wird 100

Peter W. Jansen

Auf sein bald kahles Haupt hat sich ein halbes Hundert Doktorhüte gesenkt, in seinen Händen hat er vier Oscars gehalten – und auf seinen Bankkonten tummeln sich gut und gerne 500 Millionen Dollar. Ein anderer Reichtum sind mehr als 70 Filme, von denen man durchaus einige missen möchte, und sind mehr als 300 Fernsehshows und gut tausend Radiosendungen.

Nach Chaplin ist er der (in Amerika) beliebteste amerikanische Komiker. Und wie Chaplin, der die US-Moral und ihre Medien mit seinen Affären mit Minderjährigen erschütterte, hat auch er seinen Landsleuten eine Skandalgeschichte beschert. In der sieht man einen der treuesten und standhaftesten Ehemänner Amerikas (seit 1934) in vielen fremden Betten. Doch diese Geschichte, 1993 bekannt geworden, hat dem Star kein bisschen geschadet. Vielleicht weil sie von Arthur Marx geschrieben war, einem Sohn von Groucho, dem dreistesten Schandmaul unter den Brothers. Vielleicht weil sie so wunderbar passte zu dem Titel des Buchs, das Dolores Hope, geborene Read, vor Jahren über ihre Ehe verfasst hat: „Falls Sie Bob sehen, grüßen Sie ihn bitte von mir".

Als Engländer geboren, was ihn daran gehindert haben soll, sich um die Präsidentschaft der USA zu bewerben, war er vier, als er nach Amerika kam. Er wuchs in Cleveland/Ohio auf und verdiente sein erstes Geld als Schuhputzer, Zeitungsverkäufer, Boxer. Sein Nachahmungstalent und ein Mundwerk, das nicht still stand, ließen ihn bald durch die Staaten tingeln, bis er Anfang der Dreißigerjahre am Broadway landete.

Seine britisch geschliffene und amerikanisch breit gewordene Sprechweise brachte ihn geradezu zwangsläufig zum Radio. Bald hatte er seine erste eigene Radioshow, beschäftigte acht Pointenschreiber rund um die Uhr – und verheizte ähnlich wie die Stand-up-Komiker Woody Allen, Mel Brooks, Steve Martin (und in Deutschland Harald Schmidt) an einem Abend, woran sie einen Monat geschrieben hatten. So war er nach Hollywood gekommen, wo er mit Bing Crosby in einer der erfolgreichsten Filmserien aller Zeiten spielte. Es waren in den 40er Jahren die „Road to...“-Filme (nach Singapur, Sansibar, Rio, Hongkong), und Bob Hope war der Trottel, der die Frau – meistens Dorothy Lamour – seinem Partner überlassen musste. Sein schönster Film aber war „Paleface“ („Sein Engel mit den zwei Pistolen"). Dieser Engel ist die von Jane Russell gespielte Revolverheldin Calamity Jane, die in dieser Westernparodie den falschen Zahnarzt „Painless“ Peter Potter in den Westen begleitet, in einer Siedlerkolonne. Und während er glaubt, ein Held zu sein, hat Jane ihn immer wieder herausgeschossen aus aller drohenden Unbill.

So lieben ihn seine Amerikaner, wie sie den Patrioten in ihm lieben. Der hat ab 1941 an allen US-Fronten als Komiker gekämpft; längst war er, obwohl nie Soldat, Ehrengeneral der Army und wurde dann sogar noch Ehrenveteran. Er durfte sogar Ronald Reagans Schauspielerqualitäten in Washington loben – dort sei er jedenfalls besser, als er es je in Hollywood gewesen sei.

Hope hat immer seinen Preis gekannt. Noch als Neunzigjähriger nahm er für den Auftritt bei Partys 16 000 Dollar, und als man ihm für eine Lesung aus seiner Autobiografie 100000 Dollar anbot, lehnte er ab, weil es ihm zu wenig schien. Kein Wunder, dass der Gagaholic wenig zu Hause in San Fernando war. „Meine Frau zog die Kinder auf“, sagte er, „jahrelang glaubten sie, ich sei der Gasmann.“ Der wird morgen 100 Jahre alt.

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