Kultur : "Der Geruch des Kampfers": Film im Film im Film

chp

Wie sich die Geschichten gleichen. In seinem letzten Film "Und der Wind wird uns tragen" erzählte Abbas Kiarostami von einem TV-Team, das ein Feature über iranische Beerdigungsrituale drehen will und deshalb auf den Tod einer alten Dorfbewohnerin wartet. Kiarostamis Kollege Bahman Farmanara erzählt in "Der Geruch des Kampfers, der Duft von Jasmin" von einem Filmemacher, der das gleiche Sujet bearbeitet. Seinen Freunden sagt er, er drehe ein Feature fürs japanische Fernsehen, aber in Wirklichkeit schreibt er ein Drehbuch über sein eigenes Sterben. Manchmal fasst er sich ans Herz, denn er ist krank. Und dann träumt er, wie sein Drehbuch Wirklichkeit wird - und er schreit "Cut".

Was heißt Wirklichkeit: "Der Geruch des Kampfers" ist ein kunstloser Film. Schlichte, unscheinbare Bilder, die es jedoch in sich haben. Zum einen wegen des Verwirrspiels, das Farmanara mit seinem Publikum spielt. Sein in die Jahre gekommener, schwerfälliger Held, der ein bisschen aussieht wie Alfred Hitchcock, ist ein Regisseur, der seit der iranischen Revolution 1979 keinen Film mehr drehen durfte. Diesen Helden spielt er selbst, als einer, der seitdem ebenfalls im Iran nicht mehr arbeiten durfte, nach Kanada und Los Angeles ging, um jetzt erstmals wieder in seiner Heimat zu drehen: einen Film mit Film im Film und Traum vom Film im Film im Film.

Zum anderen ist die Grenze zur politischen Realität so durchlässig wie lange nicht im iranischen Kino. Auf seiner Odyssee begegnet Bahman einer von ihrem Ehemann misshandelten Frau, erfährt von verschleppten Dissidenten und ist im Leichenschauhaus mit einer 15-jährigen Selbstmörderin konfrontiert. Er trägt die Lethargie der jahrzehntelang zum Schweigen gebrachten Intellektuellen mit sich herum - und er schreit "Cut". Ein Tauwetter-Film.

Die Berlinale-Pressevorführung wurde übrigens vom Regisseur höchstpersönlich unterbrochen, angeblich wegen eines versehentlichen Rollentauschs. So macht man die Verwirrung komplett.



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