Kultur : Der Gesang der Muscheln

WELTMUSIK

Michael Schulthei

Seine Stücke widmet er norwegischen Polarforschern in der Wüste, maltesischen Hähnchen-Fabrikantinnen oder dem griechischen Schönheitsideal des Fußes. Man hat bei Rabih Abou-Khalil , gefeierter Oud-Spieler und Worldjazz-Bestseller, das Gefühl, es gebe nichts Leichteres als Musik. So spielerisch der Umgang mit dem Publikum, so spielerisch werden die hypnotisierenden arabischen Melodienlinien vorgetragen, oft mit der fünfköpfigen Band im Unisono und jenseits der 200 Taktschläge pro Minute. Dann wieder Stille im Haus der Kulturen der Welt , die Klarinette singt ihr Solo, im Hintergrund boppert und seufzt die Tuba, die Klangfarben des Bariton-Gesangs tändeln zwischen Didgeridoo und Maultrommel. „Schön wie eine Auster“, hat Rabih Abou-Khalil seine neue Tour genannt, die Liebeslieder und die sanften Einleitungen geben dem Titel recht. Und doch drückt das Ensemble immer wieder aufs Tempo, nutzt die musikalische Spannweite voll aus, führt vor, wie durch Ausreizung des Prinzips von Spannung und Entspannung virtuose und doch einfühlsame Musik entstehen kann. Herausragend Schlagzeuger Jarrod Cagwin, er malträtiert die Basedrum, jongliert mit den Akzenten und führt souverän durch Tempowechsel und ungerade Metren.

Rabih Abou-Khalil lässt seinen Musikern viel Raum. Seine Oud, die arabische Laute, ist spärlich zu hören und doch gibt sie den Ton an, oft perkussiv und geräuschbetont gespielt, lässt die arabische Musikwelt mit der des Jazz, der Klassik und der mediterranen Canzone verschmelzen. Schade nur, dass Rabih Abou-Khalil trotz Standing Ovations dem Publikum keine zweite Zugabe gönnt. ss

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