Kultur : Der goldene Westen

Thomas Flierl und Ioan Holender zur Zukunft der Deutschen Oper

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Man kann ja denken, was man will über Ioan Holender, den 67jährigen Direktor der Wiener Staatsoper, den Berlins Kultursenator Thomas Flierl sich für die Spielzeiten 03/04 und 04/05 zu seinem persönlichen künstlerischen Berater in Sachen Deutscher Oper auserkoren hat. Man kann sich daran stoßen, dass Holender anlässlich seines ersten Berliner Pressegesprächs im Roten Rathaus „das Schöne, das Gefühl und die Romantik“ so unverhohlen als eines der Hauptziele „seiner“ Oper proklamierte; man mag es politisch unerhört finden, dass er die Privilegien der Kollektive an den Theatern pauschal verteidigte – und die Bedürfnisse der Kunst pauschal in die zweite Reihe stellte („Das ist kein gewerkschaftlicher Terror, die Leute haben Frauen und Kinder zuhause.“); und man mag kräftig daran zweifeln, ob das, was für Wien gilt, auch für Berlin das Richtige ist – ein Sängertheater der mittelgroßen Namen nämlich, gespickt mit ein paar Stars.

Andererseits aber ist es durchaus wohltuend, in der Berliner Opernfrage einmal eine Persönlichkeit zu erleben. Einen Menschen, der weiß, wovon er spricht – und der es nicht mehr nötig hat, sich zu profilieren. Überdies hatte Holender an diesem Mittag in vielen Punkten leider Recht. Die schlimmsten Doubletten der drei Opernhäuser seien ihre Schließtage, so Holender – also werde künftig auch montags an der Bismarckstraße gespielt. Die Auslastung des Hauses sei zu gering (38 Prozent im September) – also müsse man das Angebot an das „zahlende Publikum“ überdenken. Udo Zimmermanns Planung für 2003/04 sei nicht weit genug gediehen – weswegen er für die Regie-Vakanz von „Don Pasquale“ bereits Dario Fo angefragt habe und für Puccinis „Fanciulla del West“ Altmeister Peter Stein. Ansonsten begreife er sich als „Rechtsnachfolger“, bestehende Verträge würden nicht angetastet. Einzig die Wiederaufnahme von Cherubinis „Médée“, für die das Regie-Ehepaar Herrmann drei Wochen Probenzeit verlangt habe, werde er gegen eine Wiener Produktion der „Puritaner“ austauschen. Außerdem wolle er Christian Thielemanns Pult-Präsenz stärken. Und natürlich sei er, was die Strukturreform angeht, für eine Fusion der beiden großen Häuser.

Gerne werden wir Ioan Holender in Zukunft an seine eigenen Worte zu erinnern: „Wenn man dem Publikum nachläuft, zeigt es einem den Hintern.“Le.

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