Kultur : Der Gott der kleinen Dinge

Katrin Wittneven

Ein verrostetes Dreirad wurde 1976 zum Covermotiv eines Ausstellungskataloges des New Yorker Museums of Modern Art. Der amerikanische Fotograf William Eggleston hatte es auf einer seiner Reisen durch die Südstaaten festgehalten. „Memphis" nannte er das Bild, nach dem Ort, an dem er selbst 1937 geboren worden war. Seine museale Werkpräsentation war eine der umstrittensten Ausstellungen der Saison. Nicht etwa wegen der beiläufigen Motive – dafür hatten Fotografen wie Walker Evans oder Robert Frank bereits den Blick geschärft. Aber Eggleston fotografierte in Farbe und das galt in Kritiker- und Künstlerkreisen als höchst vulgär. Heute zählt auch er zu den großen Erneuerern der Fotografie – gerade wegen seines Dye-Transfer-Verfahrens, das die Farben künstlich leuchten lässt. Wie andere Meisterwerke der amerikanischen Fotografie aus der Joshua P. Smith Collection wird auch ein Abzug des Dreirads vom 16. bis zum 18. Oktober bei Phillips, de Pury & Luxembourg in New York versteigert (Schätzwert 90 000 bis 120 000 Dollar). Und neben den anderen fantastischen Fotografien von Helen Levitt, Lee Friedländer, August Sander, Robert Frank oder Alfred Stieglitz ist es heute zur Eröffnung der neuen Berliner Ausstellungsräume des Auktionshauses zu sehen (Auguststraße 19, 10 – 15 Uhr).

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