Kultur : Der große Kommunikator

Dem Literaten Walter Höllerer zum 80. Geburtstag

Helmut Böttiger

Walter Höllerer ist ein Meister darin, Menschen zusammenzubringen. Seit er 1959 einem Ruf an die Technische Universität gefolgt ist, hat er diese Kunst immer wieder bewiesen; kaum einer schaffte es wie er, selbst mit den schwierigsten Charakteren so leichtfüßig umzugehen, dass die Vorhaben auch glücken. Und Höllerer hat im Lauf der Zeit viele Vorhaben umgesetzt – so viele, dass man mit einer Aufzählung bestimmt etwas falsch macht. Als Höllerer in Berlin das „Institut für Sprache im technischen Zeitalter“ an der TU aus der Taufe hob und Gründungsdirektor wurde, war der Startschuss dafür gegeben, dass Westberlin endlich Anschluss an die zeitgenössische Moderne fand.

Höllerer holte sofort die bedeutendsten internationalen Autoren nach Berlin. Legendär wurde der Auftritt von John Dos Passos an der TU vor mehr als tausend Zuhörern – es begann etwas Neues in der Stadt. Bei einem Spaziergang am Wannsee fiel Höllerer dann eine leer stehende Villa ins Auge, die ehemals als Offiziersclub und Casino gedient hatte. Sie wurde 1962 Schauplatz einer Tagung der „Gruppe 47“. 1963 hatte es Höllerer bereits geschafft, hier mit Mitteln der Ford-Foundation das „Literarische Colloquium Berlin“ (LCB) ins Leben zu rufen, das bis heute eine der wichtigsten Stätten des literarischen Lebens in Deutschland ist. Damals war es genau das, was man brauchte: spartenübergreifend, mit einer wichtigen Filmabteilung; zudem wurden avantgardistische Theatergruppen aus allen Himmelsrichtungen geholt.

Höllerer, der große Kommunikator, bewegt sich ständig zwischen Primärliteratur und Wissenschaft hin und her. 1952 debütierte er mit dem Gedichtband „Der andere Gast“, 1955 gab er die kanonbildende Lyrikanthologie „Transit“ heraus. Und als Zeitschriftenmacher wurde er schnell einer der wichtigsten Fädenzieher im Literaturbetrieb. Zusammen mit Hans Bender war er Gründungsherausgeber der bedeutenden Literaturzeitschrift „Akzente“. 1961, in Berlin dann, folgte die Zeitschrift mit dem programmatischen Titel „Sprache im technischen Zeitalter“, die in letzter Zeit wieder von der Bedeutung des LCB für Talentförderung und Werkstatt für junge Autoren profitiert. Von Höllerers Begeisterungsfähigkeit wissen alle, die ihn kennen – und vielleicht ist es seine größte Leistung in dieser Hinsicht gewesen, ausgerechnet dem damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Strauß 1977 die Gründung des „Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg“ in der Oberpfalz schmackhaft zu machen, in Höllerers Herkunftsort. Heute feiert er in Berlin seinen 80. Geburtstag.

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