Kultur : Der große Zusammenhalt

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Jazz-Bassisten am Klang zu erkennen, ist eine ziemlich knifflige Aufgabe. Ob auf alten Platten oder bei Live-Konzerten, oft gehen sie ganz unter im Getöse, und selbst wenn sie gut zu hören sind, bleibt bisweilen nur zu vermuten, welche Noten sie nun genau zupfen auf ihrem überdimensionierten Instrument. Ray Brown allerdings war immer klar auszumachen: durch diese seltene Mischung aus fast statischer Ruhe und ständigem Drängen. Es gab stupende Virtuosen unter seinen Kollegen, Musiker wie Oscar Pettiford, die dem Kontrabass all seine Klobigkeit nehmen wollten; es gab die Furiosen wie Charles Mingus, die mit aller Gewalt an den Saiten zerrten und dabei so aggressiv wirkten wie später die E-Gitarristen des Rock.

Bei Ray Brown ging alles viel einfacher. Seit er 1945 im Alter von 19 Jahren zu den Bebop-Erfindern Dizzy Gillespie und Charlie Parker in New York stieß, begnügte er sich mit der Rolle des Begleiters. Er verstand, dass er damit die rasenden Improvisationen der Männer vor ihm auf der Bühne erst ermöglichte; dass er es war, der mit seiner Zuverlässigkeit im Tempo und seinem sicheren Gespür für Swing alles zusammenhielt.

Fast alle Jazzmusiker von Rang haben den Mann aus Pittsburgh irgendwann einmal ins Studio geholt, auf 2000 Platten ist er zu hören. Zu den außergewöhnlichen Solisten mag er zwar nicht gehört haben, doch ohne diesen warmen, bauchigen Ton klänge die Jazzgeschichte anders. Undenkbar sind ohne ihn die frühen Trioaufnahmen mit Ella Fitzgerald, mit der er von 1948 bis 1952 verheiratet war. Und jenes Projekt, das ihm endgültig zum Durchbruch verhalf, das Trio des Klaviervirtuosen Oscar Peterson, war von Brown ebenso geprägt wie von Peterson selbst - wenngleich es der Pianist war, der zum Star wurde. Neun Jahre, von 1957 bis 1966, blieb das Trio zusammen, 1962 gelang ihm mit dem Album „Nighttrain“ ein richtiger Hit, wenngleich hier, anders als sonst, der Schlagzeuger Ed Thigpen anstelle des Gitarristen Ellis mitwirkte.

Den jahrelangen Tourstress, so wollen es die Anekdoten, bewältigten Brown und Peterson mit gegenseitigen Streichen. Der Pianist verstimmte Brown kurz vor dem Auftritt den Bass, Brown revanchierte sich, indem er die Klaviertasten mit Klebeband blockierte.

Er hatte dann doch genug vom Leben unterwegs, setzte sich in L. A. zur Ruhe, managte ein paar Kollegen und nahm weiter Platten auf. Zuletzt eine Serie mit dem Titel „Some of my best friends are ...“. Jetzt, im Alter von 75 Jahren, ist Ray Brown im Schlaf gestorben. In einem Hotelzimmer, er war gerade auf Tournee.johannes Völz

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