Kultur : Der Heizstrahler

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gesehen am roten Teppich

Was wäre das Kino ohne Tricks? Männer, die sich tollkühn von Hochhäusern stürzen, weil sie unten ein dreilagiges Komfortsprungkissen erwartet. Oder der Sangeskunst unkundige Diven, die dank Tonkonserve auf der Leinwand der Callas Konkurrenz machen. Das sind nur zwei ganz simple Hilfsmittel, im Ergebnis aber erstaunlich – hierin ähnlich den nackten Schultern, die Tag für Tag selbst bei Eiseskälte über den roten Teppich schweben. Keineswegs in Eile: Interviews sind zu geben, für Fotos ist zu posieren, Autogramme werden verlangt. Normalerweise müsste die Hälfte der prominenten Gäste am nächsten Morgen mit Fieber das Bett hüten, gäbe es da nicht einen Trick: eine Batterie von Heizstrahlern, die eine Ahnung von Wärme vermitteln und so das Schlimmste verhindern. Bei den hiesigen Bezirksämtern sind Heizpilze für frischlufthungrige Restaurantgäste teilweise umstritten, Stars wird dieser Luxus ohne Einwand zugestanden, aber wie lange noch? Vielleicht ist schon im nächsten Jahr ein neuer Trick notwendig. Angesichts des galoppierenden Fortschritts bei den Special Effects stellt sich die Frage, ob wir die real bibbernden Stars überhaupt noch brauchen. Ihr virtueller Auftritt als Hologramm wäre viel effektiver, ohne Wetterprobleme, ohne Ärger mit kurzfristigen Absagen. Nur die Umsetzung eines virtuellen in ein reales Autogramm könnte schwierig werden. ac

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