Kultur : Der Integrator

ULRICH CLEWING

Als Edward und Nancy Kienholz anfang der 70er Jahre via DAAD-Stipendium nach Berlin kamen, fanden sie so großen Gefallen an der geteilten Stadt, daß sie sich entschlossen zu bleiben: ein halbes Jahr USA, ein halbes Jahr Berlin.Damals lernten die beiden Hans Redmann kennen; aus der losen Verbindung wurde bald eine Freundschaft.Als Redmann dann 1977 seine erste Galerie in der Fasanenstraße eröffnete, hatte er nicht nur Werke des prominenten Künstlerduos im Programm.Durch Kontakte, die sich zwischenzeitlich ergeben hatten, konnte Redmann auch Arbeiten von anderen Malern und Bildhauern der amerikanischen Westküste zeigen, darunter die Gemälde des Fotorealisten Gus Heinze, die surrealen Tableaus von Gaylen C.Hansen oder die "Kunst"-Maschinen eines Jack Dollhausen.

Ein zweites Standbein des Galeristen waren deutsche Künstler, wobei er unter seinem Dach so unterschiedliche Charaktere wie Heinz Mack oder Friedrich Meckseper vereinte.Während seiner Tätigkeit als Galerist ging Redmann - anders als viele Kollegen - undogmatisch vor.Entscheidendes Kriterium war für ihn nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Richtung, sondern die individuelle Künstlerpersönlichkeit.Redmanns Einsatz war auf lange Sicht angelegt: Die meisten Künstler arbeiteten viele Jahren eng mit ihm zusammen.Zu den Ausstellungen erschienen liebevoll gestaltete Kataloghefte.Es war ihm wichtig, alle präsentierten Werke abzubilden - keine Selbstverständlichkeit im Handel mit zeitgenössischer Kunst.Nicht zuletzt engagierte sich Hans Redmann in der Kulturpolitik.Er war stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Berliner Galerien, einer der wenigen echten Integratoren der zerstrittenen hauptstädtischen Berliner Galeristenszene.Auch als solchen wird man ihn vermissen: Wie erste jetzt bekannt wurde, ist Hans Redmann am 12.Juli im Alter von 55 Jahren in Berlin gestorben.

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