Kultur : Der japanische Sommerferienfilm von Yuji Nakae

Daniela Sannwald

Sommer, eine Fähre, eine Insel vor der Südküste Japans, ein Haus in einem Garten voller prächtig blühender Bougainvillea und eine verhutzelte, gebückte Großmutter, die ihre vom Festland kommende Enkelin liebevoll in die Arme schließt. So fangen Nanakos Ferien an, und so fängt dieser Film an, der schon in den ersten Bildern so viel Sonne, Meer und heitere Menschen zeigt, dass man sofort Lust bekommt, dort und nicht im Kino zu sein. Und dann wird man hineingesogen in diese wundervolle Inselgeschichte, bis man sich an deren Ende dann doch auf dem Festland wiederfindet.

Alles fängt an wie Ferien auf dem Land eben anfangen: Nanako sucht ihre Lieblingsplätze auf, fährt mit ihrem klugen, freundlichen Großvater Traktor, begrüßt die Insulaner, schläft lange und lässt sich von Großmutter Nabbie ihr Lieblingsessen kochen. Doch dann stellt sie fest, dass Nabbie immer wieder verschwindet und merkwürdig ausweichende Antworten auf die bohrenden Fragen ihrer neugierigen, 20-jährigen Enkelin gibt. Eines Tages folgt Nanako Nabbie heimlich und beobachtet sie in einer innigen Umarmung mit einem Mann im Tropenanzug. Es stellt sich heraus, dass Nabbie diesen Fremden vor sechzig Jahren liebte, aber nicht heiraten durfte. Und der ist nun, nach Jahren des Exils in Argentinien, zurückgekehrt. "Nabbie no koi" erzählt aber nicht nur eine, sondern viele Liebesgeschichten. Die von dem irischen Geiger zum Beispiel, der mit der einzigen Ladenbesitzerin auf der Insel zusammenlebt und wunderschöne Musik macht. Oder die vom Fährschiffer, der wiederum Nanakos Herz seit Jahren zu erobern sucht.

Mit seinen leuchtenden Farben und scharfen Konturen, seiner schönen Landschaft und seinen kleinen Geheimnissen, ist "Nabbie no koi" ein Sommerferienfilm, der all die verborgenen Sehnsüchte nach Eis am Stiel und Nordsee, nach Gekicher im Strandkorb und Inselbahn weckt. Ein Film, der heiter und glücklich stimmt und uns - Festland hin oder her - als Insulaner aus dem Kino entlässt.Heute 0.15 (Delphi), morgen 12.30 Uhr (CineStar 5) u. 22 Uhr

(CineStar 8)

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