Kultur : Der Klempner kommt!

Ein Präsident wird Bürgermeister: „Willkommen in Mooseport“

Silvia Hallensleben

Kann ein amerikanischer Ex-Präsident Bürgermeister eines verträumten Provinzstädtchens werden? Was ist, wenn der ehemals höchste Mann im Staate mit dem konkurrieren muss, der ihm die Toilette repariert? Und wie viel Macht hat die Ex-Gattin auf den Ex-Präsidenten?

Seit den ersten Lincoln-Filmen hat das staatsmoralische Sittendrama einen Platz im US-Kino, und auch das prekäre Verhältnis zwischen dem Volk und seinen Washingtoner Repräsentanten hat Hollywood immer wieder neu durchdekliniert. Eine eigene Unterabteilung bilden dabei neuerdings die komödiantischen Spielarten des Stoffes, die den Präsidenten und sein Milieu selbst populistischer Überprüfung unterziehen.

Auch „Willkommen in Mooseport“ funktioniert nach dem Prinzip der Präsidentenkomödie, macht sich aber eine kleine zeitliche Verschiebung zunutze, die die Zusammenführung von Präsident und Wahlvolk vereinfacht: Der Film setzt erst ein, als Monroe Cole (Gene Hackmann) sich nach zwei Amtszeiten im Weißen Haus in dem idyllischen Provinzörtchen Mooseport einrichtet, um sich standesgemäßen Ex-Präsidentenbeschäftigungen wie dem Memoirenschreiben und Vortragsreisen hinzugeben.

Die Mooseporter sind dankbar für solche Aufmerksamkeit. Doch sie haben auch Ansprüche: Wer schließlich könnte besser geeignet sein für den vakanten Bürgermeisterposten als der Mann, der gezeigt hat, dass er das ganze Land regieren kann? Und noch ehe der mit allen Wassern gewaschene „Adler“ richtig zusagen kann, ist er in einen Provinzwahlkampf verstrickt, dem er kaum mehr entkommen kann. Dass seinem Gegner, dem aufrechten Klempner Handy Harrison (Ray Romano), politische Raffinesse nicht in die Wiege gelegt wurde, macht die Sache nur scheinbar besser.

Bis dahin war in Mooseport, Maine, die Welt in Ordnung, zum Beweis läuft ein Elch als Maskottchen im Ort umher. Mit Liebe auch zum drastischen Detail skizziert Donald Petrie den Gegensatz zwischen rustikalem Kleinstadtamerika und einer politischer Klasse, die es gewohnt ist, mit Gewalt und Heuchelei ihre Macht zu sichern: Man denkt an Capras „Mr. Smith goes to Washington“, nur dass hier eben Washington zu Harrison in die Provinz kommt. Doch trotz bissiger Sittenkritik hat die Komödie unter der quirlig-amüsanten Oberfläche so wenig Substanz zu bieten, dass sie sich leicht ins Private auflösen lässt. Zurück bleibt ein Strom miefiger Heimeligkeit. Und eine Moral: Frauen wollen geheiratet werden – mit Ausnahme geldgieriger Ex-Präsidentengattinnen natürlich.

Ein konkreter Ex-Präsident ist mit Monroe Cole wohl nicht gemeint. Doch die nächste Präsidenten-„Komödie“ steht uns schon ins Haus: Michael Moores „Fahrenheit 9/11“. Oder doch eher eine Farce.

In Berlin im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar Sony-Center

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben