Kultur : "Der König und sein Narr": Mit Pathos

Klaus Büstrin

"Hier liegt in seiner Haut halb Schwein, halb Mensch, ein Wunderding. In seiner Jugend klar, in seinem Alter toll, des Morgens voller Witz, des Abends toll und voll..." Auf einem Weinfass, das zum Sarg wurde, ist dies zu lesen, gewidmet dem Historiker und Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Jacob Paul Freiherr von Gundling, der von König Friedrich Wilhelm I. und dessen Günstlingen - auch wegen seines übermäßigen Alkoholgenusses - zum Hofnarren erklärt wird. Eine tragische Geschichte um eine historische Figur. Sie erzählt viel über das Regieren des Königs, der die Soldaten wichtiger nahm als Kunst und Wissenschaften. Mitte der siebziger Jahre schrieb Martin Stade "Der König und sein Narr". 1981, als der durch seine kritischen DEFA-Filme bekannte Regisseur Frank Beyer in Babelsberg arbeitslos wurde, kam von der ARD der Auftrag, Stades Roman zu verfilmen. Das Szenarium verfasste Ulrich Plenzdorf. Nun hat Beyer sich wiederum Gundling und Friedrich Wilhelm I. zugewandt - auf der Bühne des Hans Otto Theaters Potsdam. So ganz haben Plenzdorf und Beyer den Film nicht vergessen. Kurze, filmschnittartige Szenen machen mit der Karriere Gundlings bekannt. Plenzdorf nennt seine Arbeit Bilderbogen. Er präsentiert sich als Unterricht in Sachen preußischer Geschichte. Nachhilfeunterricht hin und wieder vonnöten, aber wenn der Zuschauer mehr als zwei Stunden die "Schulbank" im Theater drücken muss, vegeht die Lust am Hinsehen und Zuhören. Beyer inszeniert traditionell, mit Pathos, ohne Brüche zuzulassen. Eine sentimentale Melodramatik macht sich breit. Aber dem Regisseur gelingen auch eindrucksvolle Szenen, vor allem wenn Gundling (Thomas Neumann) die Trauer über sein "nutzloses Leben" überfällt, wenn seine Frau Anne (Nina El Karsheh) behutsam ihn trösten will, wenn die Tabaksgesellschaft mit dem König an der Spitze auftritt. Neumann spielt den Gelehrten und Hofnarren leise, nachdenklich. Torsten Bauer ist nicht nur der brutale König, sondern einer, der die Macht klug für seine Interessen und die des Staates einzusetzen weiß. Das Schauspieler- und Statistenaufgebot ist groß, selbst die in Potsdam umstrittenen "Langen Kerls" wurden für das Spektakel verpflichtet. Manche Szenen erinnern an Opern- oder Operettenaufführungen. Donald Beckers Kostüme sind in der Zeit des Geschens angesiedelt, das Bühnenbild - es ist das Beste an der Inszenierung - ist dagegen sparsam, mit vielen Möglichkeiten für schnelle Umbauten.

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