Kultur : Der König

Den Blues erzählen: B.B. King zum Achtzigsten

Thomas Lackmann

Perlende Gitarrenriffs, kühl und beseelt. Überdehnte Einzelnoten. Raue Stimme im Dialog mit verhaltenem Schluchzen der Saiten. Scheppernde Bläser im Background. Blues-Sänger sind Erzähler.

Eigentlich handelt diese Geschichte von Riley B. King aus Mississippi: der mit vier im Kirchenchor singt, als 13-jähriger Baumwollpflücker eine Acht-DollarKlampfe kriegt und sich für das Golden Gate Quartett begeistert. Der Army-Entertainer wird, und – nach dem Weltkrieg auf die Plantage zurückgekehrt – als Straßenmusiker weitermacht, fürs Radio und für Werbespots in Memphis auftritt und sein Markenzeichen Beale Street Blues Boy in B.B.King verwandelt. Der 1949 in eine brennende Kneipe zurückrennt, um seine Gitarre zu retten, und das Instrument, mit dem er künftig on stage Zwiesprache hält, von nun an Lucille nennt (so hieß das Mädchen, um das sich zwei kerosinumstoßende Brandstifter geprügelt hatten). Der nach Martin Luther Kings Ermordung mit Jimi Hendrix und Buddy Guy bis zum Morgen in einem Club den Blues spielt, um Geld für die Southern Christian Leadership des Bürgerrechtlers zu sammeln. Der in Las Vegas lebt, sich vor aller Welt in hunderten Konzerten als letzter Blues-König in Szene setzt – und sein Publikum mit dem Klischee des farbigen Kaspers bedient.

Sicher gehören zu Kings Erfolgsstory auch die Verkaufsrekorde und sein Einfluss auf Jazz- und Rockmusiker. Von Eric Clapton bis zu den Stones versammelt er die Rock & Blues Society für Platten-Sessions. Stilbildend hat er den Chicago-Blues mit dem Vibrato des Zigeuner-Jazzers Django Reinhardt, mit der harmonischen Vielschichtigkeit des Jazzgitarristen Charlie Christian und den Einzelton-Läufen des Blues-Barden T-Bone Walker gekreuzt.

Doch seine Geschichten, die er bis heute ausgebufft, emphatisch, schwitzend und dann doch leidenschaftlich zu erzählen weiß, handeln von einfachen Sachen. Von Trennungsangst: Three O’Clock Blues. Vom Nachtleben: „It ain’t no good life but it’s my life.“ Von Sex: „I love the way she spread her wings“. Vom Tod der Gefühle: The Thrill Is Gone. Ein schwarzer Koloss tourt rastlos um die Welt und singt von den Dingen des Lebens. Das macht ihm keiner nach. Heute wird er achtzig.

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