Kultur : Der Komplize

Fassbinders Komponist: Peer Raben ist tot

Christian Schröder

Musik, das war sein Standpunkt, ist ein Gedanke, der zum Film dazukommt. Deshalb brauche ein Regisseur für einen Film einen Hauptgedanken, dem die Musik leitmotivisch folgen könne. „Und ein Regisseur sollte wissen“, so formulierte es Peer Raben in einem Interview, „warum er die Musik braucht.“ Peer Raben hat die Musik zu fast dreißig Filmen von Rainer Werner Fassbinder geschrieben, und natürlich hat Fassbinder immer gewusst, warum er ausgerechnet diese Kompositionen zu seinen Bildern brauchte: um sie emotional noch weiter aufzuladen. Für „Liebe ist kälter als der Tod“, mit dem 1969 ihre Filmarbeit begann, wollte er eine Musik, die die „Kälte der Räume“ und die Verlorenheit der Menschen darin spürbar machen sollte. Bei „Lili Marleen“ ließ er Raben den Kitsch des Landser-Schlagers mit neutönerisch harten Klängen konfrontieren. Und weil Fassbinder in seinem letzten Werk „Querelle“ 1982 die Kamera um die Figuren tanzen ließ, lieferte ihm Raben eine Ballettmusik dazu.

Raben, 1940 im Bayrischen Wald geboren, hatte Fassbinder 1966 im Münchner „Action-Theater“ kennengelernt. Da war er noch Schauspieler, abgehauen aus einem öden Engagement am Wuppertaler Schauspielhaus. Seinen bürgerlichen Namen Wilhelm Rabenbauer hatte er abgelegt und sich nach seinem Lieblingshelden Peer Gynt umbenannt. Fassbinder nannte ihn trotzdem „Willy“, und weil er wusste, dass er zwei Semester an der Münchner Musikhochschule studiert hatte, sagte er ihm, er müsse die Musik schreiben. Also schrieb Raben die Musik zu Fassbinders Inszenierungen und bald auch zu seinen Filmen, er spielte in „Warum läuft Herr R. Amok?“ mit, bei Fassbinders Frühwerken „Katzelmacher“ und „Whity“ war er auch Produzent.

Peer Raben hat mit seinen Kompositionen den Neuen Deutschen Film an das Erbe von Kurt Weill und der Vorkriegs-Avantgarde angeschlossen. Er schrieb Chansons für Ingrid Caven und Cora Frost und arbeitete mit Robert van Ackeren („Die flambierte Frau“) und Wong Kar-Wai („2046“). Vom Ruf des „Fassbinder-Komponisten“ ist er nicht mehr losgekommen. Was Raben an Fassbinder schätzte: dass er altmodisch war. „Er sagte: Musik, davon verstehe ich nichts, das ist schon richtig, was du machst.“ Peer Raben ist am Sonntag im Alter von 66 Jahren in einer Klinik bei München gestorben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar