• Der Kosmopolit - immer wieder zog es den Filmregiesseur nach Berlin, wo er auch studierte

Kultur : Der Kosmopolit - immer wieder zog es den Filmregiesseur nach Berlin, wo er auch studierte

Daniela Sannwald

"Es herrscht Ruhe im Land": Als Peter Lilienthals Film 1975 in Hof uraufgeführt wurde, war es zwei Jahre her, dass das Militär in Chile die Macht übernommen hatte. Damals wusste jeder, dass der in Portugal gedrehte Film von den Ereignissen nach der Niederschlagung der Allende-Regierung handelte, obwohl der Schauplatz unbenannt bleibt. Der Film beschreibt das stumme Entsetzen, mit dem die Bewohner einer Kleinstadt zunächst auf den Terror des Militärs reagieren, bevor sie ihre Kräfte zum Widerstand sammeln. Bereits zwei Jahre früher hatte Lilienthal lateinamerikanische Politik aufgegriffen: "La Victoria", während der März-Wahlen 1973 in Chile gedreht, erzählt die Geschichte einer eigentlich nicht an Politik interessierten Sekretärin, die sich als Kandidatin für die Unidad Popular aufstellen lässt. Da der Film auch dokumentarisches Material enthält und die Darsteller zum Teil Laien sind, verfügt er über einen hohen Grad an Authentizität. Genauso wie "Der Aufstand" (1980) über die Revolution in Nicaragua und "Das Autogramm" (1984), der in einer fiktiven lateinamerikanischen Diktatur spielt - und Argentinien meint. Die Filmkritik jener Zeit wunderte sich, dass Lilienthal sich nicht mit der deutschen Gesellschaft beschäftigte, deren Missstände filmisch aufzuarbeiten immer noch auf der Tagesordnung stand.

Peter Lilienthal wiederum wunderte sich, dass man ihn als deutschen Regisseur bezeichnete. Er ist zwar in Berlin geboren, und dorthin hat es ihn im Laufe seines Lebens auch immer wieder gezogen. Aufgewachsen jedoch ist er in Montevideo. Die Familie war 1939 emigriert, um der Nazi-Verfolgung zu entgehen. Seine Mutter betrieb ein Hotel, in dem viele europäische Emigranten wohnten, die er als seine ersten Lehrer bezeichnet. Er selbst fühlt sich eher als Nomade. "Uruguay ist ein sehr kleines Land ohne eigene Filmkultur, aber ich wollte schon an der Universität unbedingt Film machen. Es gab einen brasilianischen Dokumentaristen als Gastdozenten, der mit uns soziologische Filme drehte, das gefiel mir sehr", erzählt Lilienthal. Er ging nicht, wie so viele, nach Havanna oder Paris, um Film zu studieren, sondern nach Berlin. "Dort wohnte meine Großmutter, und an der Hochschule der Künste wurde gerade ein Filmlabor aufgebaut." 1959 engagierte der Südwestfunk den jungen Regisseur, einige Jahre später der SFB. So hatte Lilienthal bereits mehr als 20 TV-Filme inszeniert, bevor "Malatesta" 1970 ins Kino kam. Nebenbei war er Film-Dozent und Mitbegründer des Filmverlags der Autoren. Ab 1985 leitete er die Abteilung Film und Medien der Akademie der Künste in Berlin. Besonders in den siebziger Jahren hatten seine Filme ein großes kritisch-engagiertes Publikum, das es so nicht mehr gibt. Lakonisch resümiert er: "Die politische Initiative ging auch in uns selbst zum Teil verloren."

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