• Der Krieg, die Liebe und der Deserteur „R. Hot bzw. die Hitze“ in der Staatsopernwerkstatt

Kultur : Der Krieg, die Liebe und der Deserteur „R. Hot bzw. die Hitze“ in der Staatsopernwerkstatt

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„Ruhig, Robert.“ R. Hot streichelt sich beschwörend über die Wangen. Aber es hilft nichts. Um dem Würgegriff des Vaters zu entkommen, ist Robert Hot, ein junger britischer Adeliger, in Italien im Kriegsdienst. Aus Liebe zur unnahbaren Prinzessin Carignan desertiert er; sein Vater holt ihn zurück und will ihn zur Raison bringen – mit der fatalen Lüge, die Prinzessin heirate einen anderen.

Robert ist ein von der brutal erstickenden Übermacht des Vaters gebrochener Mensch. Die Offenkundigkeit, mit der Regisseurin Isabel Ostermann diese Diagnose in der Werkstatt der Staatsoper im Schillertheater in den wohltuend leeren Raum stellt, lässt keine Missverständnisse zu. Und weil Musik und Handlung von Friedrich Goldmanns Opernfantasie „R. Hot bzw. die Hitze“ quasi ins Komische überschnappen, versteht man Roberts grotesk rasende, von Ratschen begleitete Serenade für die Prinzessin als eine Art Metatragödie. Dem Zuschauer geht die Not des Titelhelden unter die Haut, denn Goldmanns Musik entlarvt alle Possen. Mit elektronisch verstärkten Instrumenten (Holzbläser, Kontrabass, Orgel, musikalische Leitung: Max Renne) hält der große DDR-Komponist in dem Werk von 1974 die Tür zu einer inneren, anderen Wirklichkeit weit offen. Das utopische Happy End mit der Flucht der Liebenden lässt die Regisseurin jedoch nicht zu, fügt dem fröhlichen Schlussduett eine Ebene von subtiler Gewalt hinzu und straft es so Lügen.

Glänzend transportiert der Charaktertenor Torsten Süring mit seiner so hyperpräsenten wie gefühlsanfälligen Stimme Roberts Intensität am Rande des Wahnsinns. Narine Yeghiyan, die der Prinzessin stimmlich eine wunderbare Mischung von Erhabenheit und Verletzlichkeit verleiht, kann wegen eines Gipsbeins nicht selbst auf der Bühne stehen. Das Zusammenspielt mit ihrem Darstellerinnendouble gelingt mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit. Barbara Eckle

Wieder am 25., 26., 28., 29.9. sowie am 2., 6. und 8. 10., jeweils 20 Uhr

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