Kultur : Der Lebenskünstler

Form, Farbe, Fläche: Mike Steiner in der Galerie Dittmar

Michaela Nolte

Mike Steiner war schon Maler und Hotelier, Objektkünstler und Fotograf, Galerist und Dokumentarfilmer, Video-Künstler, und einen Fernsehsender hat er auch noch betrieben. Sein größter Coup gelang ihm allerdings 1999 mit der Schenkung von mehr als 200 Videos an die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof; denn auch als Sammler war er seit den Siebzigerjahren ein Pionier. Nicht minder facettenreich als die Geschichte des 1941 geborenen Berliners ist auch sein Werk. Eine Retrospektive ergäbe mühelos einen Überblick der abstrakten Nachkriegskunst, bei dem man ein Dutzend verschiedener Künstler oder mehr vermuten könnte.

Wenn sich die Galerie Dittmar auf Steiners Malerei der letzten fünf Jahre beschränkt, so sind die Bilder (4800 bis 12 000 Euro) selbstredend nicht aus einem Guss. Steiner bewegt sich durch die Stile wie der Aal durchs Wasser und bringt munter zusammen, was eigentlich konträr zueinander steht. Schichten von Farben und Bildträgern überlagern sich ebenso wie Expressives mit minimalistischen Tendenzen. Daraus ergibt sich dennoch kein banaler Eklektizismus; vielmehr scheinen sich die Kunstrichtungen in den Tafeln abzulagern wie Gesteinssedimente, stets durchwoben vom Kamerablick sowie vom Übervater der Moderne, Marcel Duchamp. Mit dessen Diktum, dass Kunst nicht das sei, was man sehe, sondern „in den Lücken“ stecke, entlockt Steiner auch Kandinskys „Geistigem in der Kunst“ eine zusätzliche Ebene: nämlich die eines geistvollen Humors. Gegen das allzu Erhabene von reiner Form, Farbe und Fläche setzt er alltägliche Materialien. Untersucht das Reinheitsgebot von Grau oder die Struktur von Hartfaserplatten und Furnierholz, die bisweilen mit Wohnraumlack, Landhausfarbe oder schlichten „Malresten“ bearbeitet werden. Bei den neueren Großformaten verzichtet der Künstler auf seine poetisch-hintersinnigen Titel. Das ist einerseits schade, andererseits unterstreicht die pure Nummerierung die Strenge der Vertikalen, die durch die rhythmisierte Farbgebung konterkariert wird. Aber sicher ist auch das nur eine von vielen Phasen. Gemäß seinem Motto einer „Diskontinuität als Methode“ hat Mike Steiner die Malerei gewiss nicht neu erfunden, aber er hält sie vergnüglich in Bewegung.

Galerie Dittmar, Auguststraße 22, bis 10. März; Dienstag bis Sonnabend 12–18 Uhr.

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