Kultur : Der letzte Tautianer

GREGOR HENKE

Klaus Müller-Rehm hat seine Ausbildung bei Hans Poelzig immer voller Stolz betont.Diese Haltung war allen Poelzig-Schülern eigen, denn der legendäre Architekt hat in den 20er Jahren eine ganze Generation geprägt.Aus ihr sind viele mit internationalem Rang hervorgegangen: Julius Posener, Egon Eiermann, Helmut Hentrich.1907 in Berlin geboren, besuchte Müller-Rehm hier die Schule und studierte an der Technischen Hochschule Architektur.Bis zum Vordiplom lernte er bei Heinrich Tessenow; das Diplom absolvierte er bei Poelzig.Danach begann er seine Ausbildung zum Regierungsbaumeister bei der Preußischen Bau- und Finanzbehörde.Als Regierungsbaurat leitete Müller-Rehm von 1936 bis 1945 das Staatshochbauamt in Frankfurt/Oder.

Bereits im Wintersemester 1945/46 begann er seine Lehrtätigkeit in Berlin und gehörte zu den Lehrenden, mit denen Max Taut die neugegründete Architekturabteilung an der damaligen "Hochschule für Bildende Künste" eröffnete.Seine Architekten-Tätigkeit begann er bereits 20jährig.Auftraggeber war Carl Marcuse, Vater des bekannten Philosophen.Nach 1945 richtete sich Müllers-Rehms Tätigkeit auf den Wiederaufbau.Sein späterer Arbeitsschwerpunkt wurde der Wohnungsbau.1957 baute er zusammen mit Gerhard Siegmann zur "Interbau" das Zweischeiben-Hochhaus-Objekt 1 im Hansaviertel.Auch in seinen Publikationen widmete er sich diesem Thema.1955 erschien das Buch "Wohnbauten von heute" in Zusammenarbeit mit dem Studienfreund Julius Posener.Neben Hans Scharoun galt er als führender Neugestalter von Wohnungsgrundrissen und Einrichtungsmöglichkeiten, unter anderem durch die Berücksichtigung von Arbeitsmöglichkeiten - Überlegungen, die sich erst heute durch die veränderte Arbeitswelt als aktuell erweisen.

Die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben führte ab 1950 zu einer Reihe von Aufträgen.Sein erstes größeres Bauvorhaben war ein achtgeschoßiges Wohnhaus des Berliner sozialen Wohnungsbaues mit halbgeschoßig versetzten Wohnetagen.Hier mußte die Materialknappheit mit ausgewählten, machbaren Konstruktionen verknüpft werden.Zu weiteren Wohnbauten zählen in Berlin die Erweiterung der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz, das Springobjekt in Kreuzberg, Punktehochhäuser an der Heerstraße, Wohnbauten in der Gropiusstadt.Als Wahlsenator und Abteilungsleiter an der HfBK wirkte Müller-Rehm entscheidend bei Strukturveränderungen des Studienganges Architektur bis zu seiner Emeritierung 1972.Ihm allein war die Berufung Julius Posener 1961 an die HfBK zu verdanken.

Klaus Müller-Rehm war eine prägende Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Intensität als Architekt, Maler und als begnadeter Geschichtenerzähler- und schreiber.Sein Nachlaß wird von der Berlinischen Galerie betreut.Klaus Müller-Rehm, letzter aus dem Gründerkreis der neuen Architektur-Abteilung um Max Taut, ist am 23.Januar gestorben.

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