Kultur : Der malende Pirat

Ronald de Bloeme in der Berlinischen Galerie

Jens Hinrichsen

Verfremdete Firmenlogos, grelle Farbbänder, Stars and Stripes – nur die Piratenflagge fehlt. Oder wäre der Totenschädel einem Maler zu gegenständlich, auf dessen starkfarbige Bilder sich selten ikonische Motive verirren? „Piracy“ heißt Ronald de Bloemes Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Tatsächlich plündert der Niederländer, Jahrgang 1971, das Zeichenreservoir der globalen Konsumwelt – um zu ganz eigenen Bildlösungen zu kommen.

Seit 2000 lebt de Bloeme in Berlin. Ausgebildet wurde er an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam. Mit dem Hochschul-Namenspatron und Heroen der amerikanischen Moderne teilt er das Faible für kräftige Farben, manchmal zitiert er die Pinselgesten des Abstrakten Expressionismus. Prägend für de Bloemes Malerei sind jedoch Systeme scharfkantiger, meist horizontal gelegter Farbstreifen, die wie bunte Textfelder ohne Text wirken, wie unleserliche Fahrplantafeln oder merkwürdige Schaltpläne. Raumwirkungen sind Großformaten wie „Stimerol“, „Winterfresh“ oder dem extremen Breitformat „Cinema“ fremd. Gibt es Fenster? Höchstens die Zahlenfenster eines „einarmigen Banditen“, der eine dreifache Sieben anzeigt: Jackpot! Bloemes Post-Pop-Hard-Edge- Malerei stapelt die Bildzeichen zu Sicht-Barrikaden übereinander, an denen der Blick hängen bleibt, von Feld zu Feld springt oder, nicht selten, extrem beschleunigt wird. Trotz fröhlicher Farben weht ein harter Wind. Ein malender Pirat, unterwegs zu neuen Ufern. Jens Hinrichsen

Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124, bis 13.11., Mi-Mo 10-18 Uhr, Katalog 30 €

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