Kultur : Der Mann aus Andalusien

Bloß kein Popcorn-Kino: Antonio Banderas stellte seine zweite Regiearbeit vor

Andreas Conrad

Mit 16 hat man noch Träume, aber die erzählt man besser nicht, weil ja doch alle lachen. Das fürchtete auch der jugendliche Antonio Banderas, damals in Málaga. Nicht mal in der Familie durfte er Unterstützung erhoffen für den Wunsch, Schauspieler zu werden. „Ich glaube, mein Vater hätte mich umgebracht“, erzählt er. Aber einem Leidensgefährten, den Antonio 1976 kennengelernt hatte und dem es ähnlich ging, eröffnete er sich doch, Antonio Soler, der sich zum Schriftsteller berufen fühlte. Eine Begegnung mit Spätfolgen: Der Wunschpoet schrieb seine Erinnerungen an das Málaga der siebziger Jahre in dem Roman „El Camino de los Ingleses“ nieder, Antonio Banderas, längst berühmter Schauspieler, hat ihn in seiner zweiten Regie verfilmt – und stellte ihn gestern auf der Berlinale vor.

Sein erster Versuch in der ungewohnten Rolle war 1999 „Crazy in Alabama“. Dass Antonio Banderas überhaupt hinter die Kamera wechselte, hatten ungewollt einige Regisseure ausgelöst, deren Anweisungen er zunehmend in Frage stellte – nicht öffentlich, es war doch deren Film, und Banderas hätte Einmischungen als unfair empfunden. Aber die Zweifel waren nun mal da, und es schien ihm das Ehrlichste, auch selbst das Risiko und damit die Regie zu übernehmen. Zudem, er war es etwas müde, als Schauspieler die gewohnten Filme nach den festen Regeln zu machen, suchte die Möglichkeit, seine eigene Sicht der Welt auszudrücken, losgelöst vom Gedanken an Ergebnis oder gar Erfolg. „Keinen Film fürs Popcorn-Kino“ habe er gemacht, vielmehr Komplexeres, Ehrliches.

Ob ihn Almodóvar beeinflusst habe? Ja, der sicher auch, wie all die anderen Regissseure, mit denen er gearbeitet habe. Aber viel größer sei doch der Einfluss seiner Heimat. „Ich bin kein schwedischer, kein russischer Regisseur – ich bin aus Andalusien.“ Dessen barocke Pracht, den Flamenco, die Heiligenfiguren, die durch die Straßen getragen werden, all das liebt er – „ich habe das Gefühl, das ist etwas, das ich in mir trage.“

Über weitere Regiearbeiten denkt Banderas bereits nach, den nächsten Film vielleicht in zwei, drei Jahren, „zu einem Thema, das ich selbst geschrieben habe“. Schon mit Blick aufs Alter scheint ihm Regie der bessere Weg, doch die Schauspielerei aufgeben will er nicht. Und so ist er auf der Berlinale auch auf der Leinwand präsent, in „Bordertown“ an der Seite von Jennifer Lopez.

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