Kultur : Der Marsch der Zapatisten: Ihre Waffe ist das Wort

Trotz fehlender militärischer Erfolge ist das Zapatistische Befreiungsheer EZLN ein Machtfaktor. Ihre Waffen sind tragbare Computer und das Wort. Und ihre Botschaften kommen an. Die allgemeine Anerkennung indes allein auf gute Medienarbeit zurückzuführen, greift zu kurz. Es steckt ein neues Politikverständnis dahinter. Nicht die Macht, zivilgesellschaftliche Mobilisierung sind das Ziel, das Avantgarde-Prinzip wird abgelehnt. Abgesehen von Uniform und Waffen unterscheiden sie sich sehr von anderen Guerillas. Vielleicht liegt ja darin ihr Erfolgsrezept.

In den 70er und 80er Jahren herrschte Bürgerkrieg in drei mittelamerikanischen Nachbarländern. 1979 eroberten die Sandinisten die Macht in Nicaragua, später fielen sie den von ihnen geschaffenen demokratischen Verhältnissen zum Opfer und wurden abgewählt. Die FMLN in El Salvador konnte ihre Teilnahme am politischen Tagesgeschehen erkämpfen, ihre Ziele erreichte sie nicht. Die kleine Indio-Guerilla URNG in Guatemala spielt heute keine Rolle. In Peru verbreitete der maoistische "Leuchtende Pfad" Angst und Schrecken, bis Präsident Fujimori die Führungskader Anfang der 90er festsetzen konnte. Die zweite Peru-Guerilla, Tupac Amaru, landete Ende 1998 mit der Besetzung der japanischen Botschaftsresidenz zwar einen spektakulären Erfolg, den sie aber mit dem Leben etlicher Kämpfer und politischer Bedeutungslosigkeit bezahlte.

Allein in Kolumbien haben die Guerillabewegungen noch Gewicht. Die marxistisch-leninistischen Farc kämpfen seit einem halben Jahrhundert gegen das System, doch sie und die an Che Guevara orientierte ELN haben kaum noch Rückhalt in der Bevölkerung. JENS HOLST

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