Kultur : Der Meister und die Detektive

Steffen Richter

Er war besser als sie alle. Besser als Magdalen Nabb, als Veit Heinichen und als Donna Leon sowieso. Aber er war sogar besser als die meisten Italiener. Viel besser jedenfalls als der neue Shooting Star Gianrico Carofiglio oder der hoch gehandelte Massimo Carlotto. Sie alle hätten guten Grund, an die amerikanische Westküste nach Seattle zu pilgern, um dem Meister die letzte Ehre zu erweisen. Denn dort ist Michael Dibdin , der Brite, der die besten Italien-Krimis geschrieben hat, mit nur 60 Jahren gerade verstorben.

Dibdin wurde 1947 in den englischen Midlands geboren, ging in Nordirland zur Schule, studierte in Kanada, unterrichtete fünf Jahre an einer Universität im italienischen Perugia und zog schließlich wegen seiner dritten Frau in die USA. Damit ist er beinahe so rastlos wie sein Serienheld, der Polizeikommissar Aurelio Zen. Den hat Dibdin seit 1988 kreuz und quer über den Apennin gejagt: Von Perugia nach Sardinien, Rom und Venedig. Dann ließ er ihn nach Neapel strafversetzen, schickte ihn ins Piemont, nach Sizilien, in die Toskana, nach Südtirol und Bologna. Die Schauplätze waren nie bloß pittoreske Kulisse. Dibdins Romane beziehen ihren Reiz aus den enormen kulturellen Unterschieden der italienischen Regionen, ihren Mentalitäten, Traditionen – und Verbrechensformen.

Was unser einheimisches Genre seinen Liebhabern zu bieten hat, reicht da nicht heran, ist aber auch nicht schlecht. Am 16.4. (20 Uhr 15) kommt die beachtliche Fitzek-Fan-Gemeinde auf ihre Kosten. Dann liest Sebastian Fitzek in Lehmanns Fachbuchhandlung (Hardenbergstr. 5, Charlottenburg) aus seinem Thriller „Amokspiel“ (Droemer Knaur), der originellen Geschichte einer Geiselnahme in einem Radiosender unter Beteiligung zahlreicher Psychologen. In Annette Berrs „Die Stille nach dem Mord“ (Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke) soll es um die finsteren Schattenseiten der Liebe in einem Ferienhaus auf dem ostdeutschen Lande gehen. Mehr dazu am 11.4. (20 Uhr 30) in Britta Gansebohms Z-Bar (Bergstr. 2, Mitte).Und in der Krimibuchhandlung Totsicher (Winsstr. 16, Prenzlauer Berg) präsentiert Henrike Heiland heute (20 Uhr) ihren zweiten Rostock-Krimi „Zum töten nah“ (Bastei Lübbe), in dem ein schwarzer Nachwuchsspieler des FC Hansa stirbt und die übersinnlichen Fähigkeiten der Kriminalpsychologin Wahlberg gefragt sind.

Nein, schlecht ist das alles nicht. Im Juli aber soll posthum ein letzter Aurelio-Zen-Roman im Original erscheinen. Dann können alle Kollegen noch einmal nachlesen, wie man das richtig macht.

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