• Der Meisterdieb von Nizza GENERATION KPLUS ist witzig und spannend – mit Jungs als Stars

Kultur : Der Meisterdieb von Nizza GENERATION KPLUS ist witzig und spannend – mit Jungs als Stars

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Im Zickzack. Nono will herausfinden,
Im Zickzack. Nono will herausfinden,

Es passiert selten, dass Generation Kplus einen international besetzten Knaller präsentieren kann. Dieses Jahr ist das gelungen: Der Eröffnungsfilm „Das Zickzackkind“ (empfohlen ab sieben) ist eine Art Kinder-Agententhriller im Stil der Sechziger – spannend, witzig und charmant. Nono, der quirlige Sohn des besten Polizeiinspektors der Niederlande, begegnet im Zug dem Meisterdieb Felix Glick (Burghart Klaußner). Der entführt ihn nach Nizza, wo die hinreißende Lola Ciperola (Isabella Rossellini) „What little Lola wants“ ins Mikrofon schnurrt. Alles dreht sich um die Frage: Wer war Nonos Mutter, die starb, als er ein Jahr alt war?

Es gibt vier weitere unbedingt empfehlenswerte Fime, und alle haben Jungen als Hauptfigur wie insgesamt zehn der 13 Beiträge. In „Eskil & Trinidad“ (ab acht) muss der elfjährige Eskil mit seinem Vater, einem Kraftwerksingenieur, ständig umziehen. Papa erwartet von ihm, dass er ein begeisterter Eishockey-Torwart wird, Mama ist vor der nordschwedischen Finsternis zurück in ihre Heimat Dänemark geflohen. Eskils Sehnsucht nach ihr und dem offenen Meer wird beflügelt, als er die Einzelgängerin Trinidad kennenlernt, die ein Schiff baut, um in die Karibik zu segeln.

Auch der elfjährige Pete in „Satellite Boy“ hat Sehnsucht nach seiner Mutter, die in die Stadt gezogen ist. Mit seinem Kumpel macht er sich auf den Weg durchs australische Outback und entdeckt dabei überrascht, wie stark er mit dem Land und seinem Großvater verbunden ist, der ihn die Traditionen der Aborigines gelehrt hat. In diesem Film wird von den Zuschauern erwartet, dass sie Untertitel lesen, empfohlen ist er ab elf.

Raymond in „Mama, ich lieb dich“ (Island, ab zehn) hat eine alleinerziehende Mutter, die streng darauf besteht, dass er alles richtig macht. Doch ein Fehler zieht den nächsten nach sich, bis er sich so tief ins Schlamassel geritten hat, dass ihn nur noch die Wahrheit befreien kann. Gus im indonesischen Film „Durch fliegendes Gras“ (ab sechs) will einmal in einem Padang-Restaurant speisen. Dafür beginnt er heimlich zu arbeiten und zu sparen.

Generation Kplus hat den Anspruch, Kinder mit Filmen zu konfrontieren, die nicht ihren Sehgewohnheiten entsprechen. Der chinesische Beitrag „Ferien für Lob und Tadel“ (ab sieben) erzählt sehr unspektakulär von zwei Jungs in den Ferien am Gelben Fluss. In „Kopfüber“ von Bernd Sahling geht es um den zehnjährigen Sascha, dessen Mutter (Inka Friedrich) überfordert ist. Sascha ist ein Lieber, aber er klaut und macht auch sonst, was er will. Eigentlich könnte das eine interessante Geschichte sein, aber sie ist so langsam erzählt, dass man schon als Erwachsener ganz hibbelig wird.

Das ist auch in „Drei Kinder aus Haiti“ (ab elf) so, wobei hier dazukommt, dass den Film und die latente Bedrohung darin nicht verstehen kann, wer nichts über das Erdbeben in Haiti weiß. Den kompletten Stillstand betrachtet die Dokumentation „Ödland – damit das keiner so mitbemerkt“. Einige arabischstämmige Kinder langweilen sich darin in der Umgebung des Asylbewerberheims im Brandenburgischen Niemandsland, wo ihre Familien seit vielen Jahren festsitzen. Ein erfahrener Forum-Zuschauer könnte sich die 79 Minuten Schwarz-Weißfilm durchaus reinziehen. Wie Neunjährige auf das große Nichts reagieren, wird zumindest das Tagesspiegel-Kinderreporterteam gar nicht erst ausprobieren.

„Die Rakete“ ist ein Film über den zehnjährigen Laoten Ahlo, der mit seiner Familie umgesiedelt wird und einige schlimme Erfahrungen machen muss. Empfohlen ab elf, aber er ist nichts für Kinder, die eine Echtgeburt, den brutalen Tod der Mutter oder das Gefühl von absoluter Heimatlosigkeit nicht aushalten können. „Anina“ aus Kolumbien (ab sieben) ist der einzige Animationsfilm. Er sieht süß aus, enthält aber eine lange Horrorsequenz, die ebenfalls nicht jedes Kind wegsteckt. Susanna Nieder

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