Kultur : Der Mensch als Raumteiler

COMEDY

Norbert Tefelski

Seit 1995 pflegt Olaf Schubert seine wohltuend andere Bühnenfigur. Der sich ungelenk windende, vor Sendungsbewusstsein bebende „Einsame Mahner“ und „Verteiler des Richtigen“ spielt die Trottelkarte genialisch aus. Als naiver Gutmensch, Markenzeichen: Rautenpullunder auf nackter Haut, darf er Korrektheitsgebote in aller Unschuld verkalauern. Dahinter feixt der listige Satyr, der bestechend logisch konstatiert: „Je schneller man fährt, desto eher ist die Umweltverschmutzung vorbei.“ Der zur Toleranz mahnt: „Wäre Homosexualität eine Krankheit, gäbe es dagegen Tabletten.“ Der die Technisierung geißelt: „Selbst einfachste Computer sind mittlerweile mit Technik vollgestopft.“ Nach bewährtem Konzept umranken ausufernde Monologe die Protestgesänge der 6. Schubertiade „Boykott“ im Berliner Quatsch Comedy Club ( 29. 9. bis 1. 10.). Der Dresdener „Betroffenheitslyriker“ stammelt sich durch einen altertümelnd verschraubten Sprachdschungel, verheddert sich in metaphorischen Lianen („Jetzt beginnt die Brücke zu hinken“) und zeigt sich resistent gegen Versuche, ihm „Nektar um die Lefzen“ zu schmieren: „Ich boykottiere die Plattenindustrie / Ich hoffe, von diesem Schlag erholt sie sich nie“. Solche gekonnt falsch betonten, unter Textüberhängen leidenden Songs haben Ohrwurmqualitäten. Zwei bis drei heimliche Hits ließen sich noch aus jedem Schubert-Programm filtern – was auch den musikalischen Mitstreitern zu danken ist. Auch sie, Gitarrist Jochen M. Barkas und Herr Stephan am Bass, entsprechen der bestechendsten Definition des Homo sapiens, die je auf einer Kleinkunstbühne zu hören war: der Mensch als „mobiler Raumteiler“.

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