Kultur : Der Milchkuh-Cowboy

KAI MÜLLER

Der Film wird angekündigt wie eine Kino-Sensation: Andreas Dorau, der Schlagersänger und deutsche Disco-Apostel, hat einen Spielfilm gedreht."Fred vom Jupiter?" Ja, richtig, einen Spielfilm.Aber damit ist das Wesentliche leider auch schon gesagt.Denn das Resultat heißt "Die Menschen sind kalt" und ist der Spielfilm zur gleichnamigen Single.Ursprünglich hatte die Plattenfirma das Geld für ein Video ausgeben wollen, doch Dorau soll angeboten haben, für die gleiche Summe sogar ein Kinoformat zu füllen.Jetzt soll etwas Ähnliches enstanden sein - ein Ding, mehr Film als Single (in den Nebenrollen mit Horst Frank und Eva Pflug entsprechend prominent besetzt).Ein paar hübsche Ideen, doch ansonsten wirkt er wie eine leere, nervtötende und zusammenhanglose Überflüssigkeit.Da hilft auch die Pappmaché-Blümchen-Ästhetik nicht mehr, die dem ganzen einen verträumten Retro-Charme verleihen soll.Sie wird vom Videomaterial, auf dem aus Kostengründen gedreht wurde, vollkommen verschluckt.Warum ist es nicht bei einem Musik-Video geblieben?

Heiner ist ein ziemlicher Taugenichts, jedenfalls halten ihn alle für einen solchen.Er sieht mit 24 bereits aus wie 34, bewohnt ein winziges Telephon-Klo im Souterrain eines Hinterhofes und muß sich von grobschlächtigen Nachbarn anpöbeln und tyrannisieren lassen, kurz: er steht nicht eben auf der Sonnenseite des Lebens.Womit der Spielfilm sein Motto schon entfaltet hat: Die Menschen sind kalt, weil sie unempfindliche, habgierige Arschlöcher sind und den verträumten Wicht wie einen Vollidioten behandeln.Doch seine Mutter eröffnet ihm auf dem Totenbett, daß er der Sohn von Uri Geller ist."Des Löffelverbiegers?" Genau.Fortan glaubt auch er sich im Besitz magischer Fähigkeiten, die er denn auch gleich an ein paar Milchkühen ausprobiert.Überhaupt scheinen Menschen und Tiere in Doraus Kitsch-Welt auf geheimnisvolle Weise wieder zueinander zu finden.So muß man sich nicht wundern, wenn der arme Held am Ende auf dem Rücken einer Milchkuh in die Sonne fliegt.Ach, ja.Zum Jupiter.

Film und Handlung sind so rührend daneben, daß sie fast schon wieder gut sein müßten.Vielleicht ist das "Kult", und ich habe es nur nicht begriffen.Denn Dorau, der immerhin ein Filmstudium absolviert hat, liebt die Unbeholfenheit und die schlichten Gefühle.Sie kommen in seinen House-Tracks auch hervorragend zur Geltung, weil man sie genießen kann, ohne von ihnen vereinnahmt zu werden.Im Kino ist sowas Banalitäts-Terror.

Im Eiszeit-Kino

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