Kultur : Der Minimalist

Zum 80. Geburtstag des Designers Dieter Rams.

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Foto: Arne Dedert,p-a/dpa
Foto: Arne Dedert,p-a/dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Dem Wort „Design“ misstraut der berühmteste lebende deutsche Designer. „So wenig Design wie möglich“ lautet das Credo von Dieter Rams. Seine Formel steht in der Tradition der „Weniger ist mehr“-Philosophie des Bauhauses. Design ist dann am besten, wenn es sich nicht in den Vordergrund drängt, die Gestaltung eines Gegenstands ergibt sich aus seiner Funktion. Schon der legendäre „Phonosuper“ SK 4, im Volksmund „Schneewittchensarg“ genannt, den Dieter Rams 1956 mit Hans Gugelot für Braun entwarf, setzte ein Ausrufezeichen des Minimalismus. In einer Zeit, in der Phonomöbel schwere Holztruhen waren, die ihre Technik im Inneren verbargen, wirkte die Leichtigkeit und Eleganz dieser Kombination von Plattenspieler und Radio revolutionär. Ein Korpus aus grauweißem Metall und hellen Holzseitenteilen, bekrönt von einer aufklappbaren Abdeckung aus dem damals neuen Werkstoff Plexiglas – genial. Der von Rams erfundene Plexiglasdeckel setzte den Standard für alle Plattenspieler, die danach gebaut werden sollten.

Industriedesigner ist Rams eher zufällig geworden. Nach einem Architekturstudium und einer Tischlerausbildung in Wiesbaden arbeitete er im Büro des Frankfurter Architekten Otto Apel. 1955 bewarb er sich auf eine Anzeige des Kronberger Elektrogeräteherstellers Braun, der einen Innenarchitekten suchte, und wurde genommen, weil sein eingereichter Entwurf für eine Firmengästewohnung nur aus zwei Din-A4-Blättern bestand. Rams stieg bald zum Chefdesigner der Firma auf und Braun mit ihm zu einer Weltfirma. Bis 1997, als er das Unternehmen verließ, gingen rund 600 von Rams gestaltete Gegenstände bei Braun in Serie – Fernseher, Rasierapparate, Lautsprecher, Diaprojektoren, Weltempfänger, Schmalfilmkameras, Taschenrechner, Wecker, Uhren, sogar Regalsysteme, Armsessel und Türklinken. Sie alle strahlen eine strenge Ingenieursschönheit aus. Nebenbei baute sich der Architekt in Kronberg im Taunus ein eigenes Wohnhaus, eine weiße Flachdachvilla mit Swimmingpool im üppig begrünten Garten, deren Arbeitsräume an ein Labor erinnern.

Rams ist ein Rationalist, der sich trotzdem den Idealismus bewahrt hat, die Welt besser zu machen. Besser bedienbar jedenfalls. „Gutes Design macht ein Produkt brauchbar“, sagt er. Eine Haltung, die zum Optimismus der kalifornischen Computerindustrie passt. Apple-Chefdesigner Jonathan Ive ist ein erklärter Bewunderer von Rams’ pragmatischer Ästhetik. iPod und iPhone folgen mit ihrer Handlichkeit der reduzierten Gestaltung von Braun- Klassikern wie den Transistorradios T4 und TP2, die bereits in den fünfziger Jahren nur mit einem Drehknopf auskamen. Heute feiert Dieter Rams seinen 80. Geburtstag. Christian Schröder

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