Kultur : Der Nachwuchs wirft die Netze aus

Das Projekt „Designtransfer“ will die Arbeiten von Studierenden in der Öffentlichkeit bekannt machen

Anna-Mareike Krause

Tretboote sind zu langsam – das dachten sich Daniel Kranz und Arne Zwenger. Und beschlossen, ein neues Tretboot zu erfinden. Schneller sollte es sein, und auch sinnvoller als die unbequemen, unförmigen, unbeweglichen Boote. Nach monatelanger Recherche kamen die beiden Produktdesign-Studenten auf ihren Velomaran. Der ist praktisch, man kann ihn auf jedem Autodach transportieren. Er ist auch gemütlich. Man kann die Sitze umlegen, und schon sind Schlafplätze für zwei Erwachsene geschaffen.

Im Frühjahr haben die beiden Studenten den Velomaran als ihre Diplomarbeit präsentiert. Die wird nun öffentlich gezeigt: Auf der Ausstellung „Flügge 05“, auf der jedes Jahr ausgewählte Diplomarbeiten der UdK zu sehen sind. Organisiert und veranstaltet wird die Diplomschau von „Designtransfer“.

Dahinter verbirgt sich eine Kombination aus Werkstatt, Kommunikations- und Präsentationsraum – ein Projekt, das sich an Studierende, Gestalter und Interessierte innerhalb und außerhalb der Universität richtet. 1984 wurde das Projekt gegründet. Seit 1989 ist die Universität der Künste Berlin, die damals noch Hochschule der Künste hieß, alleiniger Träger von Designtransfer.

Die drei Mitarbeiter des Netzwerks veranstalten Diskussionsabende. Sie stellen Arbeiten aus und zeigen Filme. „Wir wollen nicht nur das fertige Produkt vorstellen“, erklärt Cornelia Horsch, eine der Mitarbeiterinnen. „Wir wollen auch Konzepte zeigen, Arbeitsprozesse und Szenarien.“

So entstand die Idee zum „Freitagsforum“, einer Gesprächs- und Diskussionsreihe, die im Januar diesen Jahres zum ersten Mal stattfand. Lehrende der UdK sollten mit Gästen aus verschiedenen Gestaltungsdisziplinen diskutieren. Um die Gesprächsatmosphäre aufzulockern, lassen sich die Veranstalter immer etwas Ungewöhnliches einfallen. „Bei der ersten Veranstaltung haben wir keine Stühle auf das Podium gestellt, sondern jeden Gast gebeten, sich selbst einen Stuhl mitzubringen“, erzählt Cornelia Horsch. „Jeder Stuhl sollte schon ein Statement zum Thema Design sein.“ Das Konzept ging auf, sagt Horsch: „Meistens entwickelte sich schon an den Stühlen eine angeregte Diskussion.“

Designtransfer, sagt Horsch, versteht sich als interdisziplinäre Anlaufstelle. Es sollen Projekte mit vielen verschiedenen Schwerpunkten willkommen sein: Produkt- und Prozessgestaltung, Bekleidungs- und Textilgestaltung, visuelle Kommunikation und experimentelle Mediengestaltung, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation sowie Architektur. Die gesamte Bandbreite der Hochschule soll vorgestellt werden, sagt die Mitarbeiterin. „Wir wollen eine Art Schaufenster der Hochschule sein. Die Außenwelt soll sehen, was die Studierenden der Universität der Künste zu bieten haben.“

Um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern, organisieren die Mitarbeiter Kooperationen mit Unternehmen. Zudem werden über das Projekt Praktika vermittelt. Zu Veranstaltungen wie der Diplomarbeiten-Ausstellung werden auch Vertreter von Designbüros eingeladen.

Daniel Kranz, einer der beiden Erfinder des Velomarans, unterstützt das Konzept. „Wenn es dieses Organisationsforum nicht gäbe, könnte man zum Beispiel eine gemeinsame Ausstellung unserer Diplomarbeiten kaum auf die Beine stellen“, glaubt Kranz. Dafür müssten die Diplomanden schon besonders viel eigenes Engagement an den Tag legen, meint der Absolvent, „und erfahrungsgemäß klappt das dann eher nicht. Und das ist wirklich schade, wenn die Arbeiten nach dem Diplom so in der Versenkung verschwinden.“ In der Vergangenheit seien Absolventen bei der Flügge-Ausstellung sogar spontan Jobs angeboten worden, sagt Kranz.

Siebzehn Arbeiten des Abschlussjahrgangs aus Produkt-, Textil- und Bekleidungsgestaltung sowie den Neuen Medien werden bei der Ausstellung gezeigt. Das Modell des Velomarans im Maßstab 1:5 wird dabei wohl niemand übersehen können.

Ausstellung „Flügge 05“, Einsteinufer 43-53, Berlin-Charlottenburg, Öffnungszeiten bis zum 22. Juli täglich 13 bis 18 Uhr, während des Rundgangs zwischen dem 15. und 17. Juli von 10 bis 18 Uhr.

Mehr Informationen im Internet:

www.designtransfer.udk-berlin.de

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