Kultur : Der Neubau des Bundespresseamtes von KSP - in der Galerie Aedes East

Jürgen Tietz

Markenzeichen der Berliner Regierungsbauten ist ihre Verflechtung von Alt- und Neubaubestand. Das gilt auch für das Presse- und Informationszentrum der Bundesregierung in Berlin-Mitte, das sich aus mehreren Gebäuden zu einem eindrucksvollen Ensemble zwischen Reichstagufer und Dorotheenstraße zusammenfügt. Ihm widmet die Architekturgalerie Aedes jetzt in ihrer Dependance in den Hackeschen Höfen eine sehenswerte Ausstellung.

Dem deutschlandweit höchst erfolgreichen Büro KSP Engel und Zimmermann ist es beim Bundespresseamt gelungen, den heterogenen Gebäudebestand zu einem abwechslungsreichen und einprägsamen Gesamtkomplex zusammenzuschweißen. Der bereits 1997 fertig gestellte flache Kubus des Pressezentrums, der den übrigen Bauten vorgelagert ist, bildet die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und internen Arbeitsbereichen des Amtes. Sein Konferenzraum, der wie ein Haus im Haus eingestellt wurde, gehört mit seinen tv-gerechten blauen Wänden längst zum bundesdeutschen Fernsehalltag.

Die Vielseitigkeit von KSP Engel und Zimmermann zeigt sich auch im Umgang mit dem behäbig historisierenden DDR-Plattenbau an der Dorotheenstraße, der nach dem Umbau als flottes Bürogebäude mit orangefarbener Lochfassade und profilierter Fensterrahmungen überzeugt.

Der größte Teil des Bundespresseamtes wird in dem ab 1913 errichteten ehemaligen Postscheckamt untergebracht. Als letzter Bauabschnitt wird er in diesem Jahr fertig gestellt. Alt und neu gehen hier eine qualitätvolle Synthese ein, so in der ehemaligen Kassenhalle des Amtes. Von DDR-zeitlichen Einbauten befreit, werden dort künftig die freigelegten Wanddekorationen der Erbauungszeit und eine moderne Glaskuppel von KSP den Rahmen für seine neue Funktion als "Briefingsaal" bilden. Der Kopfbau der ehemaligen Markthalle IV an der Dorotheenstraße, 1884 von Stadtbaurat Hermann Blankenstein errichtet und später in das Postscheckamt einbezogen, nimmt zwar nur etwa vier Prozent des Baubestandes ein, doch er sorgte im restaurierungsvernarrten Berlin für eine heftige Kontroverse. Auf Wunsch des Nutzers wurde die in der Nachkriegszeit weitgehend abgeschlagene Fassade im Stil der Schinkel-Schule rekonstruiert. Hinter ihr wird künftig der Regierungssprecher residieren. Ein von der Denkmalpflege unterstützter Alternativentwurf von KSP sah dagegen vor, die Fassade im beschädigten Zustand als Dokument zu sichern. Um das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes dennoch sichtbar zu machen, sollte der beschädigten Fassade als zusätzliche Sicht eine Glasfassade vorgeblendet werden, die mit der historischen Gebäudefigur bedruckt wird. Solch eine kluge und künstlerische wirkungsvolle Synthese aus Alt und Neu hätte Signalwirkung für Berlin haben können. Dass dieser Entwurf in der aktuellen Ausstellung bei Aedes nicht präsentiert wird, ist daher besonders zu bedauern.Galerie Aedes East, Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/41, bis 28. Mai. Katalog 20 Dm.

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