Kultur : Der neue US-Präsident: Das neue Gesicht der Macht

Robert von Rimscha

Was Europa in den nächsten Jahren von der US-Regierung zu sehen bekommen wird, trägt ein ungewöhnliches Antlitz. Colin Powell als Außenminister und Condoleezza Rice als Sicherheitsberaterin werden die Gegenüber von Joschka Fischer im Auswärtigen Amt und Michael Steiner im Kanzleramt sein. Erstmals wird die außenpolitische Garde einer US-Regierung von Schwarzen Politikern dominiert. Typisch republikanisch ist das nicht. Typisch George W. Bush soll es sein.

Powell und Rice sind nicht nur deswegen untypische Afroamerikaner, weil sie Republikaner sind - 90 Prozent der "Community" (34 Millionen von 276 Millionen US-Bürgern) wählt und denkt demokratisch. Powell brachte es als erster dunkelhäutiger Militär bis zur Spitze des Generalstabs. Der Golfkrieg machte ihn zum Nationalhelden und zum Bestseller-Autoren. Seitdem ist er hauptberuflich mit der Verbesserung der Chancen des schwarzen Nachwuches in den verkommenen Innenstädten beschäftigt.

Rice stammt aus dem demokratisch dominierten, partikularistischen Süden, der geprägt ist von den Rassenunruhen der fünfziger Jahre. Sie gab aussichtsreiche Karrieren als Eiskunstläuferin und Pianistin auf, um sich nach dem Politikstudium als Osteuropa-Expertin einen Namen zu machen. Damit brachte sie es zum Rang eines Dekans der Stanford-Universität in Kalifornien.

Die jugendliche schwarze Frau von der Westküste steht für einen ähnlichen Stil wie ihr Antipode Richard Holbrooke, der weiße Mann von der Ostküste, der wohl unter Gore Außenminister geworden wäre. Beide gelten als hochintelligent, hart, arrogant und unerträglich. Rice hat ein zusätzliches Problem. Holbrooke, der als Asien- und Europa-Experte anfing, hat die vergangenen eineinhalb Jahre als UN-Botschafter vor allem Initiativen zu Südamerika und Afrika gestartet. Ganz offensichtlich wollte er zeigen, dass er reif ist für die Zeit nach dem Kalten Krieg. Anders Rice. Bemerkenswertes zu den neuen Fragen der internationalen Sicherheit - Aids, Migration, Terrorismus - war von ihr bislang nicht zu hören.

Powell und Rice werden die ersten schwarzen Spitzen-Republikaner auf internationalem Parkett sein. Die ersten schwarzen US-Minister sind sie nicht. Schon Bill Clinton versuchte, in seinem "Regenbogen-Kabinett" die Bevölkerungszusammensetzung der USA abzubilden. Bush hat von Clinton gelernt, dass es ohne Minderheitenstimmen kein Mandat gibt.

Die geplanten Farbtupfer im Kabinett sind ein Ausdruck dieser Einsicht. Zugleich sucht Bush einen Ausgleich für eine persönliche Schwäche: Er ist kein guter Redner. Diese Lücke könnte Colin Powell füllen. Der frühere General hat so viel Gewicht und Wortgewalt, dass er es sich leisten konnte, auf dem Parteitag der Republikaner den Freunden massiv ins Gewissen zu reden. Er verlangte eine neue Partei. Bush will diesen Wandel symbolisieren - und damit auch formen.

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