Kultur : Der noble Rausch

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Als der aus Ostpommern stammende Berliner Maler Hans Laabs 1995 seinen achtzigsten Geburtstag feierte, fanden Ausstellungen seiner Werke in der Berlinischen Galerie im Martin-Gropius-Bau sowie in den privaten Galerien Bremer und Brusberg statt. Nun stellt die Berlinische Galerie, derzeit ohne eigene Räume, Laabs erneut aus: diesmal im Brecht-Haus Weißensee – begleitet von einem umfangreichen Bestandskatalog aller in ihrem Besitz befindlichen Bilder. „Hans Laabs. Lebensreise eine Malers" spannt den Bogen von den vierziger Jahren bis heute und gibt Einblick in das Werk eines Einzelgängers, den die Freude am Leben und an der Arbeit jung halten. Kunst sei eine „aufregende, zum Glück ungefährliche Droge".

Nach Studien beim ehemaligen Bauhäusler Vincent Weber in Stettin übersteht Laabs den Zweiten Weltkrieg als Meldegänger. Im Berlin der Trümmerzeit nimmt er noch einmal Unterricht bei Peter Fischer und beim Matisse-Schüler Oskar Moll. Befreundet mit Alexander Camaro, Werner Heldt, Jeanne Mammen und Hans Uhlman, gehört Laabs zur quirligen Kunstszene der Viersektorenstadt, tritt im Künstlerkabarett „Badewanne" in der Nürnberger Straße auf und hat 1948 in der Galerie Lowinsky am Prenzlauer Berg seine erste Einzelausstellung. Eine Fahrt nach Spanien 1953 eröffnet ein neues Lebenskapitel. Sie führt ihn nach Ibiza, das Laabs für dreißig Jahre zur zweiten Heimat wird. Inzwischen wieder in Berlin ansässig, setzt er sein malerisches Werk fort, das kaum eine stilistische Entwicklung kennt. Schon in den ersten Nachkriegsjahren entstand seine harmonische Bildwelt, die Abstraktes und Gegenständliches, Räumliches und Flächiges, Dunkles und Lichtes, Zeichnerisches und Malerisches, Konstruktives und Emotionales gegeneinander ausbalanciert. Laabs Motivrepertoir ist übersichtlich; jenseits alles Großstädtischen und Technischen umfasst es allein Mensch und Natur, Gegenstände, Lebewesen.

Laabs Kompositionen weisen eine unübersehbar mediterrane Note auf. Leicht und luftig sind sie, aus einfachsten Farben- und Formenkonstellationen entwickeln sich Stimmungen, die in eine träumerische Innenwelt entführen. Die Farbe spielt dabei eine besondere Rolle. „Ich möchte, dass sie lächelt und zuweilen singt." Selten ist Kunst so nobel und rauschhaft. Michael Nungesser

Brecht-Haus Weißensee , Berliner Allee 185, bis 30. Juni. Di bis So 14 - 20 Uhr. Katalog 24,60 €.

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