Kultur : Der Ötztal-Mann und seine Welt

jök

Die Stimme aus dem Off kommt aus ferner Vergangenheit. Zwar nicht aus Ötzis Welt von vor 5000 Jahren, aber doch zumindest aus der eigenen Kindheit - und aus der Jungsteinzeit des Dokumentarfilmes. Sie hat schon damals, im Sachkundeunterrricht, das drollige Paarungsverhalten der Murmeltiere vorgestellt und in die wimmelnde Wunderwelt der Ameisenstaaten eingeführt. Die Jahrzehnte scheinen spurlos an ihr vorübergegangen, denn die Stimme selbst ist so alterslos wie ihr Text: "Leben und Sterben, das ist eins in der Welt der Jäger," verkündet sie, während wir in ein Paar wachsamer Steinbocksaugen blicken dürfen und in stillem Verstehen ernst mit dem Kopf nicken. Nichts Geringeres als den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens will Der Ötztal-Mann und seine Welt mit den Zauberbildern des Kinos malen: Unterspült von sanft jinglenden Sound-Bugwellen erblüht in Sekundenschnelle eine tausendblumige Almwiese. Oder eine Gewitterwand zieht unter erregtem Tremolieren hinter den majestätischen Alpengipfeln herauf. Wir blicken in eine Zeit, als Mensch und Natur noch eins waren. In der zottelige Männer noch frisches Bärenblut tranken und die Fliegenpilzsuppe des Schamanen noch gegen Bandscheibenvorfall half. Die Chance, tatsächlich einmal die Perspektive des Ötzi einzunehmen und den Steinzeitmenschen über Freilichtmuseums-Schautafel-Niveau zu beleben, hat der Film in seinem lehrhaften Natur-Pathos leider vertan. Die Landes-Bildstellen werden ihn mit Freude entgegennehmen - vorher wird er noch in denBerliner Kinos CinemaxX Colosseum und Potsdamer Platz, UFA-Filmbühne Wien und UFA-Palast Treptower Park gezeigt.

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